Proteste bei VW und Mercedes: 3 Gründe für den Unmut der Belegschaft
Proteste bei VW und Mercedes: 3 Gründe für Unmut

Die Krise der deutschen Autoindustrie erreicht die Belegschaften mit voller Wucht. Nachdem Mercedes seinen Sparkurs verschärft hat, droht nun bei Volkswagen die nächste Eskalation. Die IG Metall kündigt einen „heißen Sommer“ an – und das vor der Tarifrunde im Herbst, die als äußerst schwierig gilt. Drei Hauptgründe treiben die Beschäftigten auf die Barrikaden.

Massiver Stellenabbau bei VW und Mercedes

Die deutschen Autobauer kämpfen mit mehreren Problemen: Das China-Geschäft schwächelt, US-Zölle belasten die Margen, und der Hochlauf der E-Mobilität verläuft langsamer als erwartet. Volkswagen hat bereits den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt, davon 35.000 bei der Kernmarke und der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

Doch laut einem Bericht des „Manager Magazins“ plant Konzernchef Oliver Blume eine drastische Verschärfung: Weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Vier deutschen Werken – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm – drohe die Schließung. Auch andere Firmen sparen beim Personal, Mercedes etwa hat ein Abfindungsprogramm aufgelegt.

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Debatte um längere Arbeitszeit bei gleichem Gehalt

Mitten in der Krise hat die Mercedes-Führung eine Grundsatzdebatte neu entfacht. Chefaufseher Martin Brudermüller regte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an – bei gleichem Gehalt. Wenige Tage später schrieb der Vorstand an die Beschäftigten, dass die Arbeitsstunde günstiger werden müsse. „Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten“, hieß es.

In der deutschen Autoindustrie ist bei tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard – auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht. Die IG Metall rief zum Protest auf. Am Freitag protestierten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 33.000 Mercedes-Beschäftigte bundesweit gegen den Sparkurs.

Weniger Geld als erwartet

Die Sparmaßnahmen schlagen zunehmend auf die Vergütungen durch. Bei Mercedes wurde eine tarifliche Sonderzahlung verschoben. Die traditionell üppigen Mitarbeiterboni bei den deutschen Autobauern fielen zuletzt deutlich niedriger aus – oder wurden wie bei Porsche komplett gestrichen.

Beim Stuttgarter Zulieferer Mahle verzichteten in der vergangenen Woche knapp 4.000 Beschäftigte unter anderem auf Tariferhöhung und Weihnachtsgeld. Im Tausch erhalten sie einen Sonderkündigungsschutz bis Ende 2029.

Die IG Metall bereitet sich auf einen konfliktreichen Herbst vor. Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie sowie die Verhandlungen bei den Autobauern versprechen hitzig zu werden.

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