Die internationale Fahrradmesse Eurobike in Frankfurt steht vor einem grundlegenden Wandel. Nach einem deutlichen Rückgang der Ausstellerzahlen und dem Abzug wichtiger Verbände setzt die Messe künftig stärker auf Fachbesucher. Eurobike-Chef Philipp Ferger kündigte an, dass man ab dem kommenden Jahr auf Angebote für Endkunden verzichten werde. Die aktuelle 34. Ausgabe der Eurobike (24. bis 27. September) ist noch für alle Besucher geöffnet, ab Freitagmittag können sich Fahrradfans ein letztes Mal ein Bild von neuen Techniken und Angeboten machen.
ZIV kündigt eigene Messe in Köln an
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat am Montag eine eigene Fahrradmesse angekündigt. Unter dem Namen „towards tomorrow – European Bike Show“ soll die Veranstaltung ab Herbst 2027 jährlich in Köln stattfinden. Hintergrund ist ein Streit um die Konzeption der Frankfurter Messe, die zuletzt mit sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen zu kämpfen hatte. Der ZIV hat die Zusammenarbeit mit der Eurobike aufgekündigt und wird von wichtigen Verbandsmitgliedern wie Bosch und dem Shimano-Generalvertreter Paul Lange GmbH unterstützt. Große internationale Fahrradmarken meiden die Frankfurter Messe bereits seit längerem.
Eurobike-Chef Ferger stellt neues Konzept vor
Ferger lehnte es ab, auf die „Störfeuer“ explizit zu reagieren. Die Messe trage nun eine große Verantwortung für die Branche und wolle mit ihren Kunden während der Veranstaltung die Zukunft besprechen. Er stellte ein neues Konzept für die Zeit ab 2027 vor. Neben einer auf einen Zweijahrestakt wechselnden Business-Messe in Frankfurt sollen regionale Festivals wie die Velo Berlin die Bedürfnisse der Kunden treffen. Der erste Termin für die auf drei Tage abgespeckte Eurobike ist der 1. bis 3. September 2027. Zudem wird die Ausstellung auf das stadtnähere Areal im Osten des Messegeländes verlegt.
Übergangsveranstaltung mit nur halb so vielen Ausstellern
Die 34. Ausgabe der Eurobike ist eine Übergangsveranstaltung. Auf vier Messetage verkürzt, präsentiert sie mit knapp 800 Ausstellern nur gut halb so viele Unternehmen wie im Vorjahr. Allein knapp 300 Aussteller kommen aus der Volksrepublik China. Zur Kritik am Messekonzept gehörte, dass die Eurobike der Konkurrenz aus Asien zu großen Raum einräume und heimische Hersteller nicht ausreichend beim Kampf gegen Plagiate unterstütze.
Fahrradindustrie leidet unter Überproduktion
Grundsätzlich leidet die Fahrradindustrie immer noch unter den Folgen einer globalen Überproduktion nach dem Fahrrad-Boom während der Covid-Pandemie. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut ZIV 3,8 Millionen Räder verkauft und ein Umsatz von 5,85 Milliarden Euro erzielt. Hohe Lagerbestände und eine sinkende Nachfrage zwangen den Handel zu Preisnachlässen insbesondere bei E-Bikes, die gleichwohl für mehr als 80 Prozent der Erlöse stehen. Zur Messe teilte der Handelsverband Zweirad mit, dass nach dem bisherigen Geschäftsverlauf im aktuellen Jahr ein weiterer Umsatzverlust zu erwarten sei. Steigende Nachfrage sei vor allem bei Werkstattleistungen zu beobachten. Umsatzbringer Nummer eins bleibe aber das E-Bike-Sortiment. Die relativ hohen Überbestände konnten dem Verband zufolge weiter reduziert werden.



