Dritter VW-Dieselskandal-Prozess: Fünf Angeklagte vor Gericht in Braunschweig
Dritter VW-Dieselskandal-Prozess in Braunschweig

Dritter großer Prozess im VW-Dieselskandal beginnt in Braunschweig

Mehr als ein Jahrzehnt nach Aufdeckung des Dieselskandals setzt die juristische Aufarbeitung in Deutschland ihre zähen Fortschritte fort. Das Landgericht Braunschweig bereitet sich auf den dritten großen Betrugsprozess mit mehreren Angeklagten vor, der am 14. April 2026 beginnen soll. Fünf zum Teil ehemalige Mitarbeiter von Volkswagen und einem Zulieferer müssen sich vor den Richtern verantworten.

Anklagepunkte und mögliche Strafen

Den Angeklagten wird schwerwiegend Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie zwischen November 2006 und September 2015 aktiv an der Entwicklung der berüchtigten Abschaltsoftware mitgewirkt oder diese Entwicklung anderweitig unterstützt haben. Die Software sorgte dafür, dass Millionen Fahrzeuge verschiedener Volkswagen-Marken auf Prüfständen deutlich bessere Abgaswerte anzeigten als im realen Straßenbetrieb.

Die Konsequenzen waren weitreichend: Die Fahrzeuge wurden durch die Manipulation illegal zugelassen, was für die Käufer einen Milliardenschaden verursacht haben soll. Den Angeklagten wird vorgeworfen, durch ihre Handlungen dem Unternehmen möglichst hohe Gewinne verschafft zu haben, von denen sie selbst über Gehalts- und Bonuszahlungen profitierten. Bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

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Bisherige Urteile und offene Verfahren

Die deutsche Justiz hat in der Aufarbeitung des Dieselskandals bereits zwei bedeutende Urteile gefällt. Im Mai 2025 endete der erste große Betrugsprozess am Landgericht Braunschweig mit gemischtem Ausgang:

  • Zwei der vier Angeklagten erhielten Haftstrafen
  • Zwei weitere wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt
  • Die Verurteilten sehen sich als Bauernopfer und gingen in Revision

Das erste rechtskräftige strafrechtliche Urteil in Deutschland betraf den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler und zwei Mitangeklagte. Stadler wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt und musste 1,1 Millionen Euro zahlen.

Bereits im November 2025 startete ein weiteres Verfahren gegen fünf Angeklagte am Braunschweiger Gericht, darunter vier Männer und eine Frau, die zum Teil ehemalige Führungskräfte des Autobauers waren. Insgesamt sind noch mehrere Strafverfahren gegen insgesamt 31 Angeklagte offen.

Die Rolle von Martin Winterkorn

Im Hintergrund aller Prozesse steht die im September 2015 bekanntgewordene Manipulationssoftware. Kurz bevor die US-Umweltbehörde EPA über die Dieselmanipulationen informierte, hatte Volkswagen falsche Testergebnisse eingeräumt. Wenige Tage später trat Konzernchef Martin Winterkorn zurück, was den Autobauer in eine der größten Krisen seiner Unternehmensgeschichte stürzte.

Winterkorn gilt als eine der Schlüsselfiguren im Dieselskandal und war ursprünglich im ersten Dieselprozess mitangeklagt. Das Verfahren gegen ihn wurde jedoch kurz vor Prozessbeginn aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt und ist inzwischen wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt. In den wenigen Verhandlungstagen, die stattfanden, wies der von Operationen sichtbar gezeichnete Winterkorn jegliche strafrechtliche Verantwortung zurück. Für ihn gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals zeigt, dass ein Ende der Verfahren noch nicht absehbar ist. Während einige Urteile bereits rechtskräftig sind, ziehen sich andere Prozesse über Jahre hin. Die kommenden Verhandlungstage in Braunschweig werden weitere Einblicke in die Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse bei Volkswagen geben.

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