EU führt neue Paketgebühr ein: Online-Einkäufe aus Drittstaaten werden teurer
Für Millionen Online-Shopper in der Europäischen Union stehen deutliche Preiserhöhungen bevor. Wer Waren aus Ländern außerhalb der EU bestellt, muss sich auf zusätzliche Kosten einstellen. Grund dafür ist eine neue Gebühr, die ab dem 1. November für jedes einzelne Produkt aus Drittstaaten erhoben wird.
Boomender Onlinehandel belastet Zollstellen
Hintergrund der neuen Abgabe ist die explosionsartig gestiegene Zahl kleiner Pakete aus Nicht-EU-Ländern. Immer häufiger werden Waren direkt aus Asien und anderen Regionen an einzelne Kunden in der EU verschickt. Diese Entwicklung stellt die Zollbehörden vor enorme Herausforderungen.
Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) liefern allein die großen Online-Plattformen Temu und Shein täglich rund 400.000 Pakete nach Deutschland. Diese Massen an kleinen Sendungen machen die Abfertigung deutlich aufwendiger und kostenintensiver.
Reform des EU-Zollrahmens bringt weitreichende Änderungen
Unterhändler des EU-Rats und des Europäischen Parlaments haben sich auf eine umfassende Reform des EU-Zollrahmens geeinigt. Die Neuregelungen werden bereits in diesem Jahr erste spürbare Auswirkungen haben.
Die genaue Höhe der neuen Paketgebühr steht noch nicht fest – die EU-Kommission wird diese in den kommenden Monaten bestimmen. Klar ist jedoch, dass mit den Einnahmen die zusätzlichen Aufwände für Sichtung, Kontrolle und Abfertigung der vielen kleinen Sendungen finanziert werden sollen.
Doppelte Belastung für Verbraucher
Für Online-Shopper bedeutet die Reform eine doppelte finanzielle Belastung:
- Die neue Paketgebühr ab November 2026
- Die Abschaffung der bisherigen Zollfreigrenze von 150 Euro ab Juli 2026
Statt der Freigrenze ist ein pauschaler Beitrag von drei Euro pro Warengruppe vorgesehen. Wer mehrere Produktarten bestellt, zahlt entsprechend mehr. Diese Regelung könnte kleine Bestellungen aus dem Ausland deutlich unattraktiver machen.
Nationale Behörden übernehmen Abwicklung
Die praktische Umsetzung der neuen Gebühren wird durch die nationalen Zollbehörden der EU-Mitgliedstaaten erfolgen. Diese müssen ihre Prozesse an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen und die zusätzlichen Kontrollen bewältigen.
Die Reform spiegelt die wachsenden Herausforderungen wider, die der globale Online-Handel für traditionelle Zollverfahren mit sich bringt. Während Verbraucher von der großen Auswahl und günstigen Preisen aus Drittstaaten profitiert haben, müssen nun die infrastrukturellen Kosten dieser Entwicklung getragen werden.



