Machtspiele im Job: Warum Frauen härter kritisiert werden als Männer
Machtspiele im Job: Frauen ernten härtere Kritik

Hartes Auftreten im Job wird oft unterschiedlich bewertet: Was bei Männern als Durchsetzungsstärke gilt, wirkt bei Frauen schnell „zu viel“. Auch bei Machtspielen hält sich das Klischee, dass diese eher von Männern ausgehen. Doch das stimmt nicht, sagt Eva Boos, Business- und Personal-Coach aus Berlin. Machtspiele gibt es in nahezu allen Branchen und auf allen Ebenen – zwischen Führungskräften und Teammitgliedern oder unter Kolleginnen und Kollegen.

Unterschiedliche Bewertung von Machtspielen

Auch Frauen neigen zu Machtspielen, aber gesellschaftlich wird ihr Verhalten anders bewertet. „Ein Mann, der bei einem Meeting laut wird und hart durchgreift, gilt als leidenschaftlich. Eine Frau dagegen, die gleichermaßen auftritt, als hysterisch“, so Boos. Der Arbeitspsychologe Prof. Gerhard Blickle bestätigt: „Es gibt Doppelstandards in der Bewertung.“ Er berichtet von einem Fall, bei dem ein Betriebsratsmitglied zu einem Geschäftsführer sagte, er würde ihm „die Bude abfackeln“, wenn nicht bestimmte Forderungen erfüllt würden. Der Geschäftsführer reagierte gelassen. „Hätte ihm eine Frau diesen Satz entgegengeschleudert, hätte der Geschäftsführer sehr wahrscheinlich behauptet, sein Gegenüber sei hysterisch und völlig überdreht“, so Blickle.

Erwartungen an Frauen und Männer

Von Frauen wird erwartet, dass sie „kooperativ und sozial verträglich auftreten und handeln“, sagt Blickle. Aber eigentlich müssten auch Männer so agieren. Die Forschung spricht in solchen Fällen von „Backlash“: Soziale oder ökonomische Sanktionen, wenn Menschen Rollenbilder verletzen. Besonders betroffen sind Frauen, die sehr selbstbewusst, durchsetzungsstark und führungsorientiert auftreten. Studien zeigen, dass identisches Verhalten bei Frauen häufiger negativ bewertet wird als bei Männern.

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Dieser Doppelstandard führt dazu, dass Frauen in Führungspositionen oft einen schmalen Grat zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Sympathie balancieren müssen. Coach Eva Boos empfiehlt Frauen, sich ihrer Wirkung bewusst zu sein, aber nicht zu sehr anzupassen. „Es geht nicht darum, sich zu verstellen, sondern darum, die eigenen Stärken gezielt einzusetzen und dabei die Erwartungen des Umfelds im Blick zu behalten.“ Letztlich sei es eine gesellschaftliche Aufgabe, diese Vorurteile abzubauen.

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