Das Ifo-Beschäftigungsbarometer für Juni zeigt: Die deutschen Unternehmen bleiben bei der Personalplanung weiterhin zurückhaltend. Der Indikator fiel auf 92,3 Punkte, was bedeutet, dass mehr Firmen Stellen abbauen als neu besetzen wollen. Damit liegt der Wert auf dem Niveau von Ende 2024.
Kostendruck und schwache Nachfrage belasten
„Die Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen äußerst vorsichtig“, sagte Klaus Wohlrabe, Chefstatistiker des Ifo-Instituts. „Für viele steht derzeit die Anpassung der Kosten im Vordergrund, da die Nachfrage weiterhin schwächelt.“ Die Firmen fahren auf Sicht – solange die wirtschaftliche Dynamik schwach bleibt, werden sie ihre Belegschaften nur selten aufstocken.
Besonders stark fällt der Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe aus, wo sich der Trend seit Anfang 2024 fortsetzt. Auch im Handel hat sich die Lage gegenüber dem Vormonat verschlechtert. Im Dienstleistungssektor fallen die Rückmeldungen leicht negativ aus. Einzig am Bau halten sich Auf- und Abbaupläne die Waage.
Geschäftsklima hellt sich auf – aber nicht bei Einstellungen
Trotz der verhaltenen Personalpolitik gibt es positive Signale: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juni den zweiten Monat in Folge um 0,6 auf 85,6 Punkte. Analysten hatten im Schnitt mit 85,5 Punkten gerechnet. Die Unternehmen beurteilen sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftsaussichten optimistischer als erwartet.
„In den Fluren deutscher Unternehmen ist Durchatmen angesagt“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die Aussicht auf ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Irankriegs habe die Ölpreise merklich fallen lassen, was wirtschaftliche Entlastungen bringe.
Geopolitische Entspannung braucht Zeit
„Es wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern, bis die deutschen Unternehmen der geopolitischen Entspannung im Nahen Osten wirklich trauen“, sagte hingegen Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Sollten sich die USA und der Iran auf ein Abkommen verständigen und die Straße von Hormus wieder öffnen, dürften die kriegsbedingten Belastungen weiter zurückgehen, so Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Die bessere Stimmung zeigt sich in allen Wirtschaftsbereichen, vor allem im Dienstleistungssektor. Auch im verarbeitenden Gewerbe wurden verbesserte Erwartungen festgestellt. Der Bereich Transport und Logistik erholt sich weiter, während die Tourismusbranche weiterhin schwierig bleibt.
Reformen als Hoffnungsträger
Mehrere Ökonomen hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen gesenkt. Die Bundesbank rechnet für 2026 nur noch mit einem kalenderbereinigten Miniwachstum von 0,5 Prozent – pessimistischer als im Dezember. Die Bundesregierung erwartet ebenfalls 0,5 Prozent Wachstum.
„Die nachhaltigen Reformen, die die Bundesregierung für die Sozialsysteme in Aussicht gestellt hat, könnten die Stimmung in den kommenden Monaten weiter positiv beeinflussen und die Chancen auf einen Aufschwung deutlich steigen lassen“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.



