Warum Beamte in die gesetzliche Rente einzahlen sollten
Beamte in die gesetzliche Rente: Warum das nötig ist

Die Rentenkommission hat weitreichende Reformvorschläge vorgelegt, doch eine entscheidende Gruppe bleibt außen vor: die Beamten. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen kritisiert diese Lücke als teuer und gefährlich für die Legitimation des gesamten Reformwerks.

Die Reformvorschläge im Überblick

Die Kommission empfiehlt, mehr Menschen in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen: Selbstständige sollen künftig alle abgesichert sein, Abgeordnete dem System unterworfen werden und die private sowie betriebliche Vorsorge vereinfacht werden. Ziel ist es, dass jeder Mensch ungefähr weiß, ob seine Anstrengungen mit gesetzlicher Rente, neuer Kapitalrente, privater Altersvorsorge und Betriebsrente ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.

Beamte bleiben außen vor

Doch die Beamten, knapp zwei Millionen aktive und pensionierte Kräfte, bleiben in ihrem Sondermodell. Die Kommission begründet dies mit zu hohen Hürden. Tenhagen hingegen sieht darin einen fatalen Fehler: „Wer in Deutschland die Rente auch politisch stabilisieren will, aber die Beamtenversorgung nur mit spitzen Fingern anfasst, gefährdet die Legitimation des ganzen Reformwerks.“

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Die Ungleichheit der Systeme

Das durchschnittliche Ruhegehalt eines Beamten lag Anfang 2025 bei 3.416 Euro brutto. Ein Durchschnittsrentner der gesetzlichen Rente hätte dafür 87 Jahre einzahlen müssen. Der Staat gab 2024 knapp 57 Milliarden Euro für Pensionen aus. Beamte haben nicht nur eine bessere erste Säule, sondern auch Zugang zur dritten Säule der privaten Vorsorge. Während die Kommission anstrebt, dass künftig 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens erreicht werden, liegt die staatliche Versorgung der Beamten heute oft schon in dieser Größenordnung.

Finanzielle Vorteile einer Einbeziehung

Würden neue Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen, kämen zusätzliche Beiträge von Menschen mit stabilen, ordentlichen Einkommen ins System. Der Staat müsste als Dienstherr den Arbeitgeberanteil zahlen. Kurzfristig verschaffte dies dem demografisch belasteten System Luft. Österreich hat gezeigt, dass eine breitere Organisation der Alterssicherung möglich ist – dort sind Selbstständige allerdings ein Zuschussgeschäft. Tenhagen betont: „Wer ein belastbares gemeinsames System will, darf die Beamten nicht aussparen.“

Politische Signalwirkung

Das wichtigste Argument ist für Tenhagen die politische Akzeptanz. „Ein Rentensystem lebt nicht nur von Mathematik. Es lebt von Akzeptanz. Von dem Gefühl: Die Regeln sind vielleicht hart, aber sie gelten nicht nur für mich.“ Wenn Beschäftigte mit normalem Einkommen hören, dass sie länger arbeiten, mehr privat vorsorgen und höhere Beiträge zahlen sollen, während Beamte im Sondermodell bleiben, entstehe Ungerechtigkeit. „Diese Frage ist politisch gefährlich“, warnt Tenhagen.

Was die Regierung besser machen könnte

Die Kommission habe viele vernünftige Vorschläge gemacht, aber die Regierung könne darüber hinausgehen. Zum Beispiel: Neue Beamte in die gesetzliche Rente einbeziehen, für bestehende Beamte Vertrauensschutz gewähren, aber Pensionen transparenter und lebensdurchschnittlich berechnen. „Das wäre immer noch keine Revolution über Nacht. Aber es wäre der Anfang eines glaubwürdigeren Systems“, so Tenhagen.

Praktische Ratschläge für die persönliche Vorsorge

Trotz aller Reformdebatten rät Tenhagen, nicht auf ein perfektes System zu warten. Stattdessen solle jeder seine eigene Renteninformation prüfen und zusätzlich vorsorgen – etwa durch Betriebsrente, ETF-Sparplan oder ein Altersvorsorgedepot. Als Faustregel empfiehlt er, 15 Prozent des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zurückzulegen. Wer früh anfange, profitiere vom Zinseszinseffekt. Selbstständige sollten verbindlich vorsorgen, nicht nur in guten Monaten.

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