Gesellenprüfung für Anlagenmechaniker: Pasewalk wird neuer Prüfungsstandort in Vorpommern
Entgegen dem verbreiteten Vorurteil, dass niemand mehr im Handwerk arbeiten möchte, zeigt sich in Pasewalk ein gegenteiliges Bild. In der vorpommerschen Stadt fanden die diesjährigen Gesellenprüfungen des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks statt, an denen sich Betriebe aus der gesamten Region beteiligten.
Praktische Herausforderung: Installation unter Zeitdruck
Sieben Lehrlinge hatten im Pasewalker Wasserwerk eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Von 7 bis 16 Uhr mussten sie nach einer vorgegebenen Skizze einen kompletten Gas-, Wasser- und Heizungsanschluss montieren, der einer typischen Installation in einem Einfamilienhaus entspricht. „Die Jungs haben stramm zu tun. Gestern ist nur einer komplett fertig geworden“, berichtet Steffen Döbler, Geschäftsführer der gleichnamigen Heizung-Sanitär-Bauklempnerei GmbH in Pasewalk und Obermeister der Sanitär-Heizung-Klima-Innung Uecker-Randow.
Die praktische Prüfung beginnt bereits um 6 Uhr mit dem Einräumen des Arbeitsplatzes. Die Vorgehensweise bei der Umsetzung ist den Prüflingen freigestellt, doch die Installation muss nicht nur in der vorgegebenen Zeit fertiggestellt werden – auch die geforderten Maße müssen exakt eingehalten werden. „Insgesamt werden fünf Maße genommen. Bei der Maßgenauigkeit dürfen zwei Millimeter nicht überschritten werden“, erklärt Obermeister Döbler.
Erstmals Prüfungen in Pasewalk
Nach Angaben von Steffen Döbler findet erstmals für SHK-Betriebe aus Vorpommern die Gesellenprüfung für angehende Anlagenmechaniker nach dreieinhalb Jahren Ausbildung in Pasewalk statt. Bislang seien die Lehrlinge zur Prüfung nach Greifswald eingeladen worden. Die Stadtwerke Pasewalk haben die Räumlichkeiten für die praktische und theoretische Prüfung zur Verfügung gestellt.
An der diesjährigen Gesellenprüfung nehmen insgesamt 30 Lehrlinge teil, die meisten davon aus Betrieben der Innungen Uecker-Randow und Ostvorpommern-Greifswald. „Das ist eine ganz ordentliche Zahl. Die Tendenz zeigt nach oben. Das war schon mal anders. Wir hatten auch schon einmal Prüfungen mit fünf Lehrlingen“, macht der Obermeister deutlich.
Theoretische Prüfung: Drei Fachgespräche
Nicht nur der praktische Teil stellt die angehenden Gesellen vor Herausforderungen. Auch der theoretische Teil der Prüfung ist anspruchsvoll. In drei jeweils etwa 20-minütigen Fachgesprächen müssen die Prüflinge ihr Wissen in den Bereichen Elektro, Heizung und Sanitär unter Beweis stellen. „Der Beruf ist sehr komplex. Da sind schließlich drei Gewerke in einem vereint“, betont der Pasewalker Handwerksmeister.
Die Frage, wie viele Lehrlinge die Prüfung tatsächlich bestehen, bleibt bis zum Abschluss der Bewertung offen. Nach der Installation um 16 Uhr folgt das Aufräumen und die technische Prüfung der Anlage, bei der unter anderem Drücke gemessen werden.
Logistische Herausforderung für die Innungen
„Eine solche Prüfung ist auch für die Innungen eine Herausforderung und erfordert einen großen Teil an Logistik“, erklärt Steffen Döbler. So müsse beispielsweise eine erhebliche Menge an Material bereitgestellt werden. Den Stadtwerken Pasewalk sei man dankbar, dass diese Räumlichkeiten am Wasserwerk zur Verfügung stellen.
Ab Sommer plant die Innung, Prüfungen ausschließlich für den Uecker-Randow-Bereich in Pasewalk durchzuführen. Neben der Abschlussprüfung (Teil II) gibt es zuvor noch die Prüfung am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (Teil I). In Döblers Betrieb werden gegenwärtig fünf Lehrlinge über alle Lehrjahre hinweg ausgebildet – ein Zeichen für die kontinuierliche Nachwuchsförderung im Handwerk.



