Die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung weiterhin erheblich. Vollzeitbeschäftigte in Sachsen-Anhalt verdienten im Jahr 2025 durchschnittlich rund 14.000 Euro brutto weniger als ihre Kollegen in Westdeutschland. Dies geht aus neuen Zahlen hervor, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) beim Statistischen Bundesamt angefragt hat.
Durchschnittsverdienst im Vergleich
Laut den Daten lag der durchschnittliche Bruttojahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr bei 51.937 Euro. In den westdeutschen Bundesländern betrug der Durchschnittsverdienst hingegen 66.171 Euro brutto pro Jahr. Die Differenz beträgt somit exakt 14.234 Euro.
Reaktionen aus der Politik
Thomas Schulze, Landeschef des BSW in Sachsen-Anhalt, zeigte sich empört über die anhaltende Gehaltslücke. „Ich nenne das ein politisches Armutszeugnis“, sagte Schulze. Er forderte die Landesregierung auf, sich stärker für eine Angleichung der Löhne einzusetzen. Die Zahlen belegten, dass die wirtschaftliche Integration Ostdeutschlands noch nicht abgeschlossen sei.
Hintergrund der Erhebung
Die Daten wurden vom Statistischen Bundesamt auf Anfrage des BSW zur Verfügung gestellt. Sie basieren auf den Meldungen der Sozialversicherungsträger und umfassen alle vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Auszubildende. Die Erhebung zeigt, dass das Ost-West-Gefälle trotz zahlreicher politischer Maßnahmen weiterhin besteht.
Besonders betroffen sind Branchen wie das verarbeitende Gewerbe, der Einzelhandel und die Gastronomie, in denen die Löhne in Sachsen-Anhalt oft deutlich unter dem Westniveau liegen. Auch in der Industrie und im Dienstleistungssektor klafft eine große Lücke.
Forderungen nach höheren Löhnen
Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter fordern seit Jahren eine Angleichung der Löhne. Sie verweisen darauf, dass die Produktivität in ostdeutschen Betrieben in vielen Bereichen inzwischen westdeutsches Niveau erreicht habe. Dennoch blieben die Löhne zurück. Das BSW will das Thema nun erneut in den Landtag einbringen und eine Debatte über Maßnahmen zur Lohnangleichung anstoßen.
Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt verwies auf bereits bestehende Förderprogramme und betonte, dass die Lohnentwicklung in den letzten Jahren positiv verlaufen sei. Allerdings räumte ein Sprecher ein, dass noch erheblicher Handlungsbedarf bestehe.



