Die Vereinten Nationen haben einen neuen Präsidenten der Generalversammlung gewählt: Khalilur Rahman, der derzeitige Außenminister von Bangladesch, wird das Amt im September übernehmen. Der 72-jährige Diplomat wurde mit 99 von 193 Stimmen gewählt und löst damit Annalena Baerbock ab, die das Amt seit September 2025 innehatte.
Ein Amt mit protokollarischem Gewicht
Die Position des Präsidenten der UN-Generalversammlung hat vor allem protokollarische Bedeutung, kann aber auch hinter den Kulissen Einfluss auf Entscheidungsprozesse nehmen. Die Resolutionen der Generalversammlung sind zwar nicht bindend, gelten jedoch als wichtiges weltweites Stimmungsbild. Rahman übernimmt das Amt zu einer Zeit, in der die Vereinten Nationen aufgrund zahlreicher bewaffneter Konflikte und finanzieller Engpässe unter erheblichem Reformdruck stehen.
Rahmans Pläne und Herausforderungen
Rahman kündigte an, sich für die Reform der UN-Friedensmissionen, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele sowie die Förderung von Frauen und Mädchen einzusetzen. Besonders am Herzen liegt ihm die Situation der ärmsten Länder der Welt. Der Diplomat blickt auf langjährige Erfahrung bei den Vereinten Nationen zurück und war in führender Rolle mit der Rohingya-Flüchtlingskrise in Bangladesch befasst. Er hat angekündigt, das Amt in Vollzeit ausüben zu wollen, doch ob er dafür seinen Posten als Außenminister aufgibt, ist noch unklar.
Baerbocks Vermächtnis
Die scheidende Präsidentin Annalena Baerbock gratulierte Rahman zu „einem der besten Jobs der Welt“. Der UN-Experte Richard Gowan beschrieb Baerbock als „durchaus solide und zupackende Führungspersönlichkeit“, die dem Amt deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft habe als ihre Vorgänger. Allerdings sei sie mitunter von den Grenzen ihres Amtes frustriert gewesen, da sie sich eine aktivere Rolle der Generalversammlung bei der Bewältigung globaler Krisen gewünscht habe.
Seltene Kandidatenkonkurrenz
Das Amt des Präsidenten wird in regionaler Rotation vergeben; diesmal war die Asien-Pazifik-Gruppe an der Reihe. Rahman setzte sich gegen den zypriotischen Diplomaten Andreas Kakouris durch – ein äußerst seltener Fall von zwei Kandidaten für diesen Posten. Baerbock bleibt bis zur offiziellen Amtsübergabe am 9. September im Amt, kurz vor der Generaldebatte der UN-Vollversammlung mit Staatsgästen aus aller Welt.



