Wer die National Mall in Washington, D.C. betritt, verspürt schnell ein Gefühl der Erhabenheit. Sie wurde vor mehr als 200 Jahren geplant, in der fast hellseherischen Erwartung, dass von hier aus für lange Zeit der mächtigste Staat der Welt gesteuert wird.
Ein neuer Prunkbau für Staatsgäste
Bald kann auch Staatsgäste dieses Gefühl ergreifen, die nicht entlang von Spiegelteich und Washington Monument spazieren, sondern im Weißen Haus empfangen werden – im größten und prunkvollsten Ballsaal der Welt, der gerade an die Regierungszentrale angebaut wird. Donald Trump hat sich vorgenommen, Amerika wieder „groß“ zu machen, und dieser Anspruch soll sich auch in nationalen Symbolen wiederfinden.
Warum die Aufregung?
Warum wird die National Mall eigentlich in jedem USA-Reiseführer unkritisch als Symbol von Amerikas Größe gepriesen, während der Ballsaal die halbe Nation zornig macht? Viele Amerikaner regen sich über die Investition auf, doch vielleicht ist sie gar nicht so schlecht. Geplant ist neben dem Ballsaal ein Triumphbogen an der Mall. Außerdem wurde gerade der Spiegelteich renoviert, der das auf einem Hügel erbaute Kapitol noch besser zur Geltung bringen soll.
Die Kritik an dem Ballsaal scheint oft von einer Doppelmoral geprägt: Während die historische Pracht der National Mall als selbstverständlich angesehen wird, stößt ein neues, ebenso prunkvolles Bauprojekt auf Ablehnung. Dabei könnte der Ballsaal nicht nur repräsentative Zwecke erfüllen, sondern auch ein Symbol für den Anspruch der USA auf weltpolitische Führungsrolle sein.
Christoph Herwartz, stellvertretender Leiter des Politik-Ressorts, argumentiert in seiner Kolumne, dass die Investition in nationale Symbole durchaus sinnvoll sein kann. Sie stärke das nationale Selbstbewusstsein und unterstreiche die Bedeutung der USA als globaler Akteur. Statt eines bescheidenen Ostflügels erhält das Weiße Haus einen Ballsaal, der bei Staatsbesuchen Eindruck hinterlässt und die diplomatische Wirkung erhöht.
Ob die Kontroversen um den Bau verfliegen, sobald der Ballsaal fertiggestellt ist, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass die Debatte um angemessene Repräsentation eines Landes nie einfacher ist. Der Ballsaal mag teuer sein, aber er könnte langfristig zu einem Wahrzeichen werden, das ebenso bewundert wird wie die National Mall.



