Am Donnerstag steht die nächste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Viele Marktbeobachter rechnen mit einer Anhebung des Leitzinses. Seit der letzten Senkung im Juni 2025 liegt der Einlagenzins bei 2 Prozent. Eine Erhöhung hätte direkte Auswirkungen auf Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen. Die Verkündung ist für 14:15 Uhr geplant.
Prognosen vor dem EZB-Zinsentscheid im Juni
Die Erwartungen sind klar: „Für diesen Donnerstag ist mit einem Zinsschritt der EZB nach oben zu rechnen“, sagt Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin. Die Inflation im Euroraum stieg im Mai auf 3,2 Prozent, was den Währungshütern die Grundlage für eine Anhebung biete. Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte diese Prognose gestützt. Eine Erhöhung auf 2,25 Prozent gilt als wahrscheinlich.
Allerdings warnen Finanzprofis vor Nebenwirkungen. Geoff Yu von BNY betont, dass höhere Zinsen Kredite verteuern und Investitionen bremsen könnten. Entscheidend sei die Kommunikation von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Sitzung. Sie müsse klären, ob die Anhebung präventiv sei oder den Auftakt eines neuen Straffungszyklus markiere.
Weitere Zinsschritte im Jahresverlauf
Für den weiteren Verlauf rechnen die Märkte im Juli mit einer Zinspause, während für September bereits eine weitere Erhöhung eingepreist wird, so Ehlert. Der tatsächliche Kurs hänge von geopolitischen Entwicklungen und der Inflation ab. Apobank-Ökonom Björn Ohl erwartet ebenfalls eine Erhöhung im September, glaubt aber, dass Lagarde den Eindruck eines längeren Zinserhöhungszyklus vermeiden will. Er prognostiziert für die nächsten zwölf Monate ein Muster nach dem Prinzip „erst zwei Schritte vor, dann wieder zwei zurück“. Für das erste Halbjahr 2027 erwartet er eine Senkung des Einlagesatzes auf 2 Prozent, bedingt durch eine Beilegung des US-Iran-Konflikts und eine konjunkturelle Abschwächung.
Auswirkungen auf Bauzinsen
Für Immobilienkäufer ist der EZB-Entscheid indirekt wichtig. Bauzinsen reagieren auf Inflationserwartungen und Kapitalmarktzinsen. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist auf die Bedeutung der geopolitischen Lage. Die Kapitalmarktzinsen würden stark von Ereignissen im Nahen Osten beeinflusst. Selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts sei die erste Inflationswelle nicht zu vermeiden. Bleibe es bei nur einer Erhöhung, hätten die Kapitalmarktzinsen wenig Spielraum nach oben.
Strategie für Sparer: Zinstreppe
Verbraucher können bei Sparprodukten profitieren. „Auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt zu warten lohnt sich nicht“, sagt Ehlert. Sie empfiehlt die Zinstreppe: Das Kapital wird in mehrere Teile aufgeteilt und auf gestaffelte Laufzeiten verteilt. So wird in regelmäßigen Abständen ein Teil des Geldes fällig und kann zu dann höheren Konditionen reinvestiert werden.



