USA verzichten auf Stationierung von Tomahawk-Raketen in Deutschland
Die US-Regierung hat ihre Pläne zur Stationierung von Marschflugkörpern in Deutschland offenbar endgültig aufgegeben. Wie das Magazin „Politico“ unter Berufung auf amerikanische und europäische Beamte berichtet, befürchtet das Pentagon, dass Russland die Stationierung weitreichender Waffen auf deutschem Boden als Eskalation auffassen könnte. Die Tomahawk-Marschflugkörper, die bis zu 2.500 Kilometer weit fliegen können, waren eigentlich als Abschreckung gegen Russland vorgesehen.
Hintergründe der Entscheidung
Bereits im Mai hatte der US-General und Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich das Aus für das Vorhaben bestätigt. Ursprünglich sollten neben den Tomahawk auch Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland stationiert werden. Als Gründe wurden unter anderem ein Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump sowie der hohe Verbrauch von Tomahawk im Iran-Krieg genannt. Laut einer Studie würde es mindestens drei Jahre dauern, die verbrauchten Raketen zu ersetzen. Zudem zeichnet sich eine strategische Abkehr der USA von Europa zugunsten des indopazifischen Raums ab.
Reaktionen aus Deutschland
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach bereits im Mai von einer „Fähigkeitslücke“. Fabian Hoffmann, Experte für Raketenwaffen am Norwegian Institute for Defence Studies (IFS), erklärte, dass Europa den Aufbau glaubhafter offensiver Fähigkeiten „komplett verschlafen“ habe. Allerdings hätte Deutschland die Tomahawk wahrscheinlich ohnehin nicht vor Mitte der 2030er Jahre erhalten. Hoffmann betont: „Tomahawk war nie eine kurzfristige Lösung, und das Streben nach diesem Projekt hat die deutschen Entscheidungsträger wohl von leichter verfügbaren Alternativen abgelenkt.“
Alternative Waffensysteme in der Nato
Militärexperte Max Mutschler sieht die Entwicklung gelassen: „Es gibt in der Nato – selbst wenn man nur die europäischen Mitglieder betrachtet – verschiedene Waffensysteme, die das auffangen können.“ So verfügten sowohl Briten als auch Franzosen über seegestützte Tomahawk. Auch Deutschland habe mit den luftgestützten Taurus-Marschflugkörpern bereits eine Option, Ziele im Hinterland Russlands zu bedrohen.
Risiken der Aufrüstung
Mutschler warnt jedoch vor einer gefährlichen Aufrüstungsspirale: „Wenn beide Seiten hier weiter aufrüsten, kann das sehr gefährlich werden.“ Er plädiert für eine wechselseitige Begrenzung von Mittelstreckenraketen in Europa. Um mit Moskau ins Gespräch zu kommen, müssten die europäischen Nato-Staaten zunächst ihre Bereitschaft zur Aufrüstung glaubwürdig kommunizieren – ähnlich wie beim Nato-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren.



