USA und Iran liefern sich neue Angriffe in der Golfregion
USA und Iran: Neue Angriffe in der Golfregion

Berlin. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich trotz einer geltenden Waffenruhe und laufender Friedensverhandlungen erneut verschärft. In der Golfregion kam es zu einer neuen Serie von Angriffen, die die fragile Waffenruhe auf eine harte Probe stellen.

Hubschrauberabschuss löst US-Vergeltung aus

Nach Angaben des US-Militärs wurde ein US-Militärhubschrauber vom Typ Apache vor der Küste des Omans von iranischen Kräften abgeschossen. Als Reaktion darauf bombardierten US-Streitkräfte mehrere Ziele im Iran, darunter Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im strategisch wichtigen Bereich der Straße von Hormus. Das Regionalkommando Centcom erklärte auf der Plattform X, die Angriffe seien eine „verhältnismäßige“ Antwort auf die iranische Aggression gewesen. US-Präsident Donald Trump kündigte Vergeltung an und sprach später von einer „sehr starken, sehr kraftvollen“ Reaktion.

Iranische Gegenangriffe auf US-Stützpunkte

Teheran ließ nicht lange auf sich warten und griff seinerseits US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an. Nach iranischen Medienberichten kamen dabei ballistische Raketen und Drohnen zum Einsatz. Auch Kuwaits Luftabwehr war nach Armeeangaben im Einsatz. In Bahrain schrillten erneut die Sirenen. Der arabische Sender Al Jazeera meldete unter Berufung auf das jordanische Militär, dass fünf iranische Raketen abgefangen worden seien. Unabhängige Bestätigungen für diese Angaben lagen zunächst nicht vor.

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Ausmaß der US-Angriffe im Iran

US-Medienberichten zufolge erfolgten die US-Angriffe in drei Wellen und richteten sich gegen rund 20 Ziele. Iranische Medien berichteten über Explosionen in der Stadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus der Region um die Großstadt Bandar Abbas wurden Einschläge gemeldet. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete, dass zwei Wassertanks in einem Bezirk von Sirik getroffen wurden, wodurch die Trinkwasserversorgung unterbrochen sei.

Iran: „Keine Bedrohung unbeantwortet“

Während das US-Militär von Selbstverteidigung sprach, bezeichnete Irans Militär die US-Angriffe als „fadenscheinigen“ Vorwand. Irans Außenminister Abbas Araghtschi drohte prompt mit weiteren Gegenschlägen. Auf X schrieb er: „Unsere schlagkräftigen Streitkräfte werden keinen Angriff und keine Bedrohung unbeantwortet lassen. Verlassen Sie unsere Region, wenn Sie in Sicherheit sein wollen. Die Geschichte des Persischen Golfs kennt viele Kapitel über das tragische Schicksal von Eindringlingen.“

Drohnenangriff auf US-Marinehauptquartier

Die iranischen Revolutionsgarden führten nach iranischen Medienberichten einen Drohnenangriff auf das Hauptquartier der US-Marine für den Nahen Osten in Bahrain aus. Zudem sei ein Stützpunkt in Jordanien angegriffen worden. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Waffenruhe zunehmend brüchig

Die offizielle Waffenruhe im Irankrieg, die seit zwei Monaten gilt, wird von Tag zu Tag brüchiger. Bereits am Sonntag war der Konflikt mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gefährlich eskaliert. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Seiten zu einer „sofortigen“ Waffenruhe auf, woraufhin beide Staaten erklärten, ihre Angriffe einzustellen. Der Iran hatte seine Angriffe nach eigenen Angaben wegen israelischer Attacken gegen die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon begonnen. Israels Regierung hat jedoch klargestellt, dass sie weiter gegen die schiitische Miliz vorgehen wird.

Trump: „Sehr gutes Abkommen“ in Sicht

Ungeachtet der erneuten Angriffe äußerte sich US-Präsident Trump in einem Telefoninterview mit ABC News optimistisch über ein Kriegsende. Mit Blick auf die zähen Verhandlungen mit Teheran sagte er, es gebe ein „sehr gutes Abkommen“, das wahrscheinlich Bestand haben werde. Trump hatte zu Beginn des Irankriegs Ende Februar einen schnellen Sieg versprochen, doch die Bemühungen um eine Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt stocken seit Wochen.

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Experte warnt vor weiterer Eskalation

Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X vor einer weiteren Eskalation. „Das Risiko einer weiteren Eskalation bleibt erheblich, selbst wenn weder Washington noch Teheran aktiv einen größeren Konflikt anstreben“, schrieb er. Ein signifikanter militärischer Schritt ohne amerikanische Unterstützung wäre ein gewaltiges strategisches Wagnis für Israels nationale Sicherheit und könnte die Beziehungen zwischen Israel und den USA schwer belasten.

Netanjahu zu Alleingang bereit?

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll nach Angaben des TV-Senders i24News unter Umständen auch zu einem eigenständigen Schlag gegen den Iran ohne US-Unterstützung bereit sein. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung am Montagabend und zitierte Netanjahu mit den Worten: „Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen – mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation.“ Netanjahu muss in wenigen Monaten bei anstehenden Wahlen um sein Amt kämpfen. Trump hatte Netanjahu zuvor vor einem Alleingang gewarnt.