Citigroup-Chefin Jane Fraser: Europas verpasste Chancen und KI-Skepsis in den USA
Jane Fraser: Europa verpasst Chancen, KI-Skepsis in USA wächst

Jane Fraser, Vorstandsvorsitzende der Citigroup, äußert sich im Interview enttäuscht über die mangelnde Fortschritte Europas bei wirtschaftlichen Reformen. Ein Jahr nach dem sogenannten Liberation Day, an dem US-Präsident Donald Trump erstmals Zölle gegen zahlreiche Handelspartner verhängte, sieht Fraser die europäischen Chancen weiterhin ungenutzt. Europa besitze zwar Werte, Talente und ingenieurtechnische Stärken, doch die strukturellen Hürden seien zu hoch. Nationale Interessen stünden oft über gemeinsamen Zielen, und eine bewahrende Haltung bremse die nötige Transformation.

Strukturelle Nachteile Europas

Im Vergleich zu China und den USA, die als Einheitsstaaten schneller Entscheidungen treffen könnten, leide Europa unter Fragmentierung. Die Dringlichkeit sei sogar noch größer als vor einem Jahr, da die Welt Europa als Stabilitätsanker brauche. Dennoch zeige sich eine Kluft zwischen Unternehmen und Politik: Während sich Firmen schnell anpassen, hinke der Staat hinterher. Regulatorische Belastungen bremsten außergewöhnliche europäische Unternehmen aus.

Investitionsklima und politische Stabilität

Fraser betont, dass US-Investoren angesichts von Volatilität und Umbrüchen durch Künstliche Intelligenz vor allem auf Trends fokussiert seien. Für ausländische Direktinvestitionen müsse Europa Anreize schaffen, was bei hohen Energiekosten und einem komplizierten Arbeitsmarkt schwierig sei. Zwar gebe es einen Investment-Case für viele Unternehmen, doch das politische Umfeld mit Wahlen und Unsicherheiten in Frankreich, Großbritannien und Deutschland verunsichere. Viele Firmen definierten sich jedoch nicht über ein einzelnes Land, wie die dynamischen Mittelstandsunternehmen zeigten.

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Technologischer Rückstand und KI-Skepsis

Aufholen sei möglich, aber schwer angesichts der industriellen Stärke Chinas, das über 50 Prozent der weltweiten Roboterfirmen beherrsche und bei physischer KI dominiere. In den USA wachse eine gewisse Skepsis gegenüber KI, während Europa diese Entwicklung noch nicht spüre. Der größte Druck laste auf der Autoindustrie, insbesondere bei E-Autos. Europa könne jedoch eine Brückenfunktion zwischen China und den USA einnehmen und von Win-win-Situationen profitieren.

Wirtschaftsaussichten und Börsengänge

Fraser rechnet für 2026 nicht mit einer Rezession in den USA, das Wachstum sei robust, gestützt durch Transformationsinvestitionen in KI-Infrastruktur. Der Arbeitsmarkt müsse beobachtet werden, da KI-Skepsis ein Vorbote für Europa sein könne. Die Auswirkungen von KI auf den Stellenabbau seien noch nicht voll spürbar, es gebe eher Automatisierung manueller Tätigkeiten. Bei Börsengängen wie dem von SpaceX sieht Fraser keinen Höhepunkt der Euphorie, sondern einen Abbau des Rückstaus. Der Markt brauche eine breitere Pipeline, nicht nur Megadeals.

Marktrisiken und Bankenumbau

Das größte Risiko an den Märkten sei Cyber – das halte sie nachts wach. Citi investiere massiv in Abwehr, und die Banken kooperierten beim Systemschutz. Die Aktienmärkte seien überschwänglich gewesen, sie sei vorsichtig. Inflation und Zinsen trieben die Anleihemärkte. Zum Erfolg der USA sagt Fraser, dass politische Maßnahmen wie der Fokus auf reale finanzielle Risiken und Deregulierung vorteilhaft gewesen seien. Der M&A-Markt habe angezogen.

Umbau der Citigroup

Seit fünf Jahren als CEO treibt Fraser die Verschlankung und Effizienzsteigerung voran. Die Bank habe gleichzeitig Veräußerungen, Modernisierung und regulatorische Themen angegangen. Das Ergebnis seien positive operative Hebelwirkung, verbesserte Renditen und starkes Umsatzwachstum von 14 Prozent im letzten Quartal. Die Belegschaft sei hungriger als früher. Auf Mobbingvorwürfe gegen Führungskräfte entgegnet sie: Bei Citi sei kein Platz für Mobber, unbegründete Behauptungen würden nicht toleriert.

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