Emirates-Chef fordert mehr Langstrecken-Flüge am BER
Emirates-Chef fordert mehr Langstrecken-Flüge am BER

Der Präsident der Fluggesellschaft Emirates, Tim Clark, hat mit Nachdruck mehr Langstreckenverbindungen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gefordert. „Berlin hat keinen Hauptstadt-Airport“, kritisierte der Manager laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ während eines Besuchs in der Hauptstadt. Die internationalen Verbindungen seien einer Hauptstadt nicht würdig. „Das ist eine traurige Situation“, zitierte ihn die Zeitung weiter. „Berlin würde enorm von besseren Verbindungen profitieren.“

Emirates plant tägliche Flüge nach Berlin und Stuttgart

Emirates strebt an, künftig tägliche Flugverbindungen zwischen Dubai und dem BER sowie Stuttgart anzubieten. Dafür sollen Großraumflugzeuge des Typs Boeing 777-300ER eingesetzt werden. „Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Bundesverkehrsministerium“ werde die Airline dafür jährlich über 100 Millionen Euro bereitstellen, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Die beiden deutschen Flughäfen lägen in „wichtigen Wirtschaftszentren“, seien jedoch „nach wie vor unterversorgt an Langstreckenverbindungen“.

Emirates bemüht sich bereits seit längerem um Landerechte, insbesondere für den Hauptstadtflughafen. „Wir möchten konstruktiv mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten, um dies zu verwirklichen und von Beginn unseres Flugbetriebs an für beide Metropolregionen spürbare Vorteile zu erzielen“, erklärte Emirates-Chef Tim Clark.

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Symbolischer Protest gegen Bundesregierung

Mit Blick auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der am Mittwoch zur Internationalen Luftfahrt-Ausstellung (ILA) in Schönefeld erwartet wurde, kündigte Clark an, man werde symbolisch Handschellen und eine Fußfessel bereithalten, um den Druck auf die Bundesregierung zu verdeutlichen, auf das Angebot von Emirates zu reagieren.

Nach dem Besuch von Merz in der Golfregion zu Anfang des Jahres hatte die Bundesregierung bestätigt, dass sie Gespräche mit Akteuren in der Region über neue Flugverbindungen führe. „Die Bundesregierung arbeitet intensiv daran, die Möglichkeiten internationaler Flugverbindungen von und nach Deutschland zu erweitern“, sagte damals ein Regierungssprecher. Die Stärkung des internationalen Luftverkehrs sei wirtschaftlich wichtig.

Schnieder fordert echten Mehrwert statt bloßer Konkurrenz

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigte sich zuletzt zwar offen für mehr Landerechte am BER – allerdings nur, wenn dadurch echte neue Verbindungen entstehen und nicht bloß Konkurrenz für deutsche Airlines. Emirates würde die Strecke vor allem nutzen, um Passagiere über ihr Drehkreuz Dubai weiterzuleiten – eine Route, die von Berlin aus bereits Condor und Eurowings bedienen.

Ein bilaterales Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten begrenzt derzeit die Zahl der deutschen Ziele, die Emirates anfliegen darf, auf vier. Eine Ausweitung scheiterte bislang vor allem am Widerstand der Lufthansa sowie der Flughäfen Frankfurt und München. „Seit vielen Jahren lehnt die Bundesregierung weitere Landerechte für Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten aus guten Gründen ab“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin im Februar der „Zeit“. Dies würde die Klima-, Verbraucher-, Wettbewerbs- und Sozialstandards aushöhlen.

Lufthansa ohne Langstrecken vom BER

Die Lufthansa bietet selbst keine Langstreckenflüge vom BER an, ihr Urlaubsflieger Eurowings fliegt jedoch vom BER nach Dubai und Abu Dhabi. Emirates argumentiert, dass ihre wichtigsten Zielmärkte von Deutschland aus mit Zwischenstopp in Dubai – Australien, Indonesien, Sri Lanka und Vietnam – von deutschen Fluggesellschaften nicht angeflogen werden. „Die Ausweitung dieser Verbindungen auf Berlin und Stuttgart würde die bestehenden Strecken nicht kannibalisieren, sondern vielmehr eine seit Langem bestehende Lücke schließen.“

Dass der Bedarf für mehr Direktflüge am BER grundsätzlich vorhanden ist, zeigen Passagierdaten, die dem Tagesspiegel vorliegen: Im Jahr 2025 reisten rund 64.000 BER-Fluggäste mit Zwischenstopp nach Bangkok, über 32.000 nach São Paulo – Ziele, die vom BER bis heute nicht direkt angeflogen werden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bringt es so auf den Punkt: „Der Hauptstadtflughafen darf nicht nur ein Zubringer nach Frankfurt oder München sein.“

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