Bei den von Katar und Pakistan vermittelten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz haben beide Seiten einen Mechanismus für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus vereinbart. Dies teilte das iranische Außenministerium mit. Die Arbeit der Verhandlungsdelegation sei nach 18 Stunden abgeschlossen, die technischen Teams setzten ihre Arbeit jedoch fort. Die Vermittler Katar und Pakistan würden ein Dokument mit den vereinbarten Eckpunkten veröffentlichen. Damit sei der Grundstein für Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen gelegt.
Gespräche auf Arbeitsebene gehen weiter
Nach dem Auftakt der Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz auf der Ebene der Verhandlungsführer soll es unmittelbar im Anschluss weitere Beratungen auf Arbeitsebene geben. Ziel sei es, wie im Rahmenabkommen vorgesehen, innerhalb von 60 Tagen ein „finales Abkommen“ zu erreichen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Vermittler Katar und Pakistan. Es werde unter anderem Arbeitsgruppen zu Irans Atomprogramm und den westlichen Sanktionen geben. Zudem sei ein Gesprächskanal zwischen den Kriegsparteien eingerichtet worden, um Missverständnisse oder Zwischenfälle in der Straße von Hormus zu vermeiden. Ein Forum sei geschaffen worden, um die Einhaltung der Waffenruhe auch im Libanon zu sichern. Die technischen Gespräche zur Umsetzung der Vereinbarungen sollen den Rest der Woche im schweizerischen Luxusresort Bürgenstock fortgesetzt werden.
Schiffsverkehr bricht nach Blockade-Erklärung ein
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist Schifffahrtsdaten zufolge nach der erneuten Blockade-Erklärung des Iran drastisch eingebrochen. Lediglich fünf Schiffe durchquerten die Meerenge am Sonntag, verglichen mit 26 am Vortag, wie aus Daten der Analysefirma Kpler hervorgeht. Das US-Militär teilte hingegen mit, dass weiterhin Handelsschiffe in dem Gebiet verkehren. US-Energieminister Chris Wright sagte dem Sender Fox News, in den vergangenen 24 Stunden hätten 67 Schiffe die Meerenge passiert. Was den Transport von Öl und Ölprodukten angeht, entspreche dies in etwa dem Verkehrsaufkommen vor Kriegsbeginn. Wright räumte ein, manche Reeder hätten immer noch Bedenken, die Meerenge wieder zu nutzen. Der Iran habe im zentralen Teil der Wasserstraße verlegte Minen auch noch nicht geräumt. Die USA hätten jedoch eine Route im Süden der Meerenge geöffnet und eskortierten Schiffe, die diese nutzen.
Irans Präsident signalisiert schriftlichen Verzicht auf Atombombe
Der iranische Präsident Massud Peseschkian zeigte sich bereit, den USA auch schriftlich zu garantieren, dass der Iran künftig kein Atomwaffenprogramm verfolgen werde. „Falls notwendig, können wir schriftlich festhalten, dass wir nicht beabsichtigen, eine Atombombe zu bauen“, sagte Peseschkian laut Nachrichtenagentur Irna. Ob eine solche Zusicherung Teil der laufenden Gespräche mit den USA in der Schweiz sein wird, ließ er offen. Peseschkian verwies erneut darauf, dass bereits der frühere oberste Führer Ali Chamenei aus religiösen Gründen die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen abgelehnt habe. Chamenei war bei den militärischen Angriffen der USA und Israels am 28. Februar getötet worden und wurde anschließend von seinem Sohn Modschtaba beerbt. Die politische Führung der Islamischen Republik beteuert stets, sie strebe nicht nach Atomwaffen.
Protest der iranischen Delegation nach Trump-Drohungen
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim hat die iranische Delegation in Bürgenstock Protest gegen die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump eingelegt. Dem englischsprachigen Staatssender Press TV zufolge prüfe die iranische Abordnung nun eine angemessene Reaktion darauf. Laut Tasnim gelten auch Drohungen im Rahmen des Abkommens zwischen den USA und dem Iran als Verstoß, der Teheran zu einer Reaktion berechtigt. Tatsächlich verpflichten sich beide in der Vereinbarung, auf Angriffe und Drohungen zu verzichten. Kurz darauf berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna, das Treffen zwischen dem Iran, der USA, Pakistan und Katar sei nach 80 Minuten für interne Beratungen unterbrochen worden. Vertreter der iranischen Delegation haben sich dazu bislang nicht offiziell geäußert.
Trump fordert Iran auf, Hisbollah aufzuhalten
US-Präsident Donald Trump verlangte von der iranischen Regierung in einem Truth-Social-Post, diese solle ihre „gut bezahlten“ Stellvertreter im Libanon davon abhalten, weiter Probleme zu bereiten. Damit dürfte vor allem die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz gemeint sein, gegen die sich die israelischen Luftangriffe und die Bodeneinsätze im Südlibanon richten. Sollte der Iran das nicht tun, würden die USA das Land erneut angreifen, drohte Trump. Dass Trump sich während der laufenden Verhandlungen in der Schweiz zu Wort meldet, dürfte als Zeichen des Drucks auf die iranische Delegation zu werten sein. Diese macht den Ausgang der Beratungen vor allem davon abhängig, ob Israel die Angriffe im Libanon tatsächlich einstellt.
Vance berichtet von Fortschritten bei Verhandlungen
US-Vizepräsident JD Vance hat nach der ersten Verhandlungsrunde in der Schweiz einen Zwischenstand vor der Presse verkündet und dabei keine Tendenz erkennen lassen. Vance sagte: „Wir wollen den Nahen Osten transformieren. Der Iran war bisher ein Treiber der regionalen Instabilität. Jetzt sehen wir die Chance auf Frieden und Wohlstand. Die Benzinpreise in den USA sinken bereits und Öl und Gas fließen langsam wieder. Jetzt schauen wir, ob wir darauf aufbauen können. Präsident Trump hat uns gebeten, eine neue Seite aufzuschlagen, und dem iranischen Volk die Hand zu reichen. Wir haben in den vergangenen Stunden großen Fortschritt gemacht und werden weitere Fortschritte machen.“ Von iranischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme. Auf die Frage nach den anhaltenden israelischen Angriffen im Libanon sagte Vance, auch dort gebe es Fortschritte. „Frieden ist nie leicht, aber der Präsident hat sich dem Frieden in der gesamten Region verschrieben“, sagte der US-Vizepräsident.
Anwohner berichten von Pause bei israelischen Angriffen
Die Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz sind zu Beginn der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran offenbar gestoppt worden. Anwohner im Südlibanon berichteten von einer Pause bei den israelischen Angriffen am Sonntagmorgen. Auch von der israelischen Seite gab es keine Berichte über Beschuss durch die Hisbollah. Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben Anweisungen erhalten, die Waffenruhe einzuhalten. Es handle ausschließlich defensiv, sagte ein Sprecher. Noch am Freitag und Samstag hatten sich Israel und die mit dem Iran verbündete Hisbollah heftig beschossen. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mehr als 50 Tote bei israelischen Angriffen seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran am Donnerstag. Zudem kamen fünf israelische Soldaten ums Leben. Israel gab an, am Samstag Infrastruktur der Hisbollah angegriffen zu haben, darunter ein Tunnelnetzwerk in der südlibanesischen Stadt Kfar Tebnit.



