Im Ukraine-Krieg hat Russland neue Tote und Verletzte nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim gemeldet. Nach Angaben der Behörden kamen mindestens vier Menschen ums Leben, neun weitere wurden verletzt. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow teilte auf Telegram mit, dass in der Krim-Hauptstadt drei Menschen getötet und sieben verletzt worden seien. Später meldete er einen weiteren Toten und zwei Verletzte nach einem Angriff auf einen Nahverkehrszug. Russland hatte die Krim 2014 annektiert und nutzt sie als Aufmarschgebiet für den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew will mit den Drohnenangriffen den militärischen Nachschub stören. Das Land verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion.
Die ukrainische Regierung berichtet von anhaltenden systematischen Angriffen auf die Logistik-Infrastruktur. Allein im April habe es mehr als 500 Drohnenangriffe gegeben, schrieb Vize-Ministerpräsident Olexij Kuleba auf Telegram. Die ukrainischen Häfen würden praktisch jeden zweiten Tag angegriffen, der See-Exportkorridor funktioniere jedoch weiter. Die Seehäfen hätten 2025 bislang fast 35 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen.
EU-Staaten geben grünes Licht für Beitrittsgespräche
Alle EU-Mitgliedsstaaten haben der Eröffnung der ersten Phase der Beitrittsgespräche mit der Ukraine und der Republik Moldau zugestimmt. Das teilte die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko auf X mit. „Großartige Neuigkeiten. Wir sind der EU-Mitgliedschaft einen Schritt näher gekommen und bewegen uns stetig auf unser Ziel zu“, schrieb sie.
Europäer arbeiten an Verhandlungsplänen
Einige der wichtigsten europäischen Verbündeten der Ukraine arbeiten einem Medienbericht zufolge an Plänen, um Russland in Verhandlungen zur Beendigung des Krieges einzubinden. Vertreter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erörtern die Möglichkeit von Gesprächen und tauschen sich mit der ukrainischen Seite aus, meldete Bloomberg unter Berufung auf Insider.
Selenskyj: USA fokussiert auf Iran-Krieg
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedauerte das lange Warten auf US-Unterhändler in Kiew. „Leider stehen wir heute nicht im Mittelpunkt“, sagte er bei einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Für die USA sei der Irankrieg das Thema Nummer eins. Dennoch sei er überzeugt, dass die USA die stärkste Kraft seien, um Russland zu einem Kriegsende zu bewegen.
Die russische Saratow-Raffinerie ist nach einem Drohnenangriff seit dem 31. Mai außer Betrieb. Die einzige Rohöldestillationsanlage mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen pro Tag sei abgeschaltet, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen zu Reuters. Die Reparaturarbeiten dürften etwa zwei Wochen dauern. Die Anlage war bereits im März nach einem Drohnenangriff vorübergehend stillgelegt worden.
Selenskyj: Angriffe in Russland stärken Verhandlungsposition
Die verstärkten ukrainischen Angriffe auf Ziele in Russland ermöglichen es der Ukraine, Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen, so Selenskyj bei einem Auftritt mit Rutte. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis man den Umfang solcher Angriffe erhöhe.
Kreml bestätigt Schröder-Visite
Der Kreml bestätigte, dass der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Russland besucht. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland begrüße seinen Besuch. Präsident Putin hatte Schröder vor zwei Wochen als möglichen Vertreter Europas bei Gesprächen über Sicherheitsfragen genannt. Die Bundesregierung und andere europäische Regierungen lehnten dies deutlich ab.
Ukrainische Bahn will Preise um 45 Prozent erhöhen
Die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja fordert zur Sanierung ihrer Finanzen eine Anhebung der Frachttarife um mindestens 45 Prozent in diesem Jahr. Die Bahn könne nicht länger andere Wirtschaftszweige subventionieren, sagte Chef Olexandr Perzowskyi zu Reuters. Hintergrund sind die stark gestiegenen russischen Angriffe auf die Bahninfrastruktur. Die Eisenbahn ist ein wichtiger Teil des ukrainischen Logistiknetzes.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums binnen 24 Stunden 754 ukrainische Drohnen abgefangen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Das ukrainische Militär teilte mit, bei einem Angriff auf Kronstadt ein Kriegsschiff der russischen Ostsee-Flotte getroffen zu haben. An Bord der Korvette „Boikij“ habe ein Großbrand gewütet.
Russland kündigt weitere Angriffe an
Russland kündigte nach dem ukrainischen Beschuss von Zielen in St. Petersburg weitere systematische Angriffe auf die Ukraine an. „Ich möchte Sie an die Erklärung des Außenministeriums erinnern, in der es heißt, dass unsere Reaktionen systematisch sein werden, und das sind sie auch schon“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.
Selenskyj zufolge haben die Streitkräfte bei ihrem Angriff auf St. Petersburg nicht nur das Ölterminal, sondern auch eine Militäreinrichtung in Kronstadt ins Visier genommen. Dort befinden sich Teile der russischen Baltischen Flotte sowie Schiffbau- und Reparaturanlagen. Der ukrainische Generalstab teilte mit, dass erste Informationen auf Treffer von Schiffen und Infrastruktur hindeuteten.
Über der russischen Region Leningrad hat die Flugabwehr nach Angaben von Gouverneur Alexander Drosdenko 59 ukrainische Drohnen abgefangen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte ist in Kiew angekommen. Die ukrainische Eisenbahn begrüßte ihn auf Telegram.
Bei Drohnenangriffen auf St. Petersburg wurden nach Angaben des Gouverneurs Teile der Infrastruktur beschädigt und mehrere Menschen verletzt. In der russischen Metropole beginnt ein internationales Wirtschaftsforum. Bilder zeigen tieffliegende Drohnen und Feuer am Ölterminal. Der Flugverkehr am Flughafen St. Petersburg ist stark eingeschränkt.
In der Stadt Mitschurinsk in der Oblast Tambow wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff Nebengebäude eines Industriebetriebes, ein Wohnhaus und eine Bibliothek beschädigt, teilte Gouverneur Jewgeni Perwyschow mit. Verletzte gebe es nicht. Im besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk wurde die Kraftstoffausgabe begrenzt. Bei den Marken AI-95, AI-92 und Diesel wird die Abgabe auf höchstens 20 Liter pro Person beschränkt, meldete Tass unter Berufung auf die Besatzungsbehörden. Begründet wurde der Schritt mit den derzeitigen Vorräten und einer gestiegenen Nachfrage.
Bei einem Drohnenangriff im russisch kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk wurden nach Angaben der Behörden sieben Menschen getötet und elf verletzt. Die Drohne habe einen Reisebus getroffen, der zwischen Moskau und Simferopol unterwegs war, teilte der von Moskau eingesetzte Regionalgouverneur Denis Puschilin mit.
Russland meldete den Abschuss mehrerer Drohnen über der Region Leningrad und im Anflug auf Moskau. In der Region Leningrad seien drei Drohnen abgeschossen worden, teilte Gouverneur Drosdenko mit. Weitere 13 Drohnen habe die Luftabwehr vor der Hauptstadt abgefangen, erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin. Am Flughafen Pulkowo wurde der Flugverkehr vorübergehend eingeschränkt.
Russland verhängte ein Einreiseverbot gegen fünf britische Staatsbürger, darunter die Investigativjournalistin Catherine Belton von der „Washington Post“ und der Sicherheitskorrespondent Richard Holmes von „The i“. Das Außenministerium begründete den Schritt mit antirussischer Rhetorik und Waffenlieferungen an die Ukraine.
Nach einem schweren russischen Angriff mit vielen Toten und Verletzten warnte Selenskyj erneut vor einer großen Attacke. Noch in dieser Nacht könne es zu einem massiven Angriff kommen, sagte er unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Russland stuft ukrainische Unternehmen, die Fortschritte bei der Raketenentwicklung machen, als vorrangige Ziele ein. Die Ukraine werde darauf reagieren.
Selenskyj forderte die Bevölkerung auf, auf Luftalarme zu achten. „Unseren Geheimdienstinformationen zufolge könnte es heute Nacht zu einem weiteren großangelegten Angriff kommen“, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft.



