Ukraine: Selenskyj warnt vor weiterem russischen Großangriff
Selenskyj warnt vor weiterem russischen Großangriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einem weiteren massiven russischen Luftschlag gewarnt. „Unseren Geheimdienstinformationen zufolge könnte es heute Nacht zu einem weiteren großangelegten Angriff kommen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er forderte die Bevölkerung eindringlich auf, Luftalarme ernst zu nehmen und Schutz zu suchen.

Zahl der Toten steigt auf 22

Die Zahl der Toten durch die jüngsten russischen Angriffe ist nach ukrainischen Angaben auf 22 gestiegen. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt bei den Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen. Allein in Dnipro im Südosten des Landes kamen 16 Menschen in der Nacht ums Leben, teilten die Behörden mit. Bei erneutem russischen Beschuss im Laufe des Tages wurden zwei weitere Menschen verletzt.

Russland erhöht Rohölexporte nach Drohnenangriffen

Wegen ukrainischer Drohnenangriffe auf Raffinerien hat Russland seine Rohölexporte über Westhäfen deutlich ausgeweitet. Die Ausfuhren über die Häfen Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk stiegen im Mai im Vergleich zum Vormonat um 15 Prozent auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag, wie zwei Brancheninsider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Dies ist der höchste Wert seit September 2024. Die Regierung in Moskau ist zu diesem Schritt gezwungen, da sie das Öl wegen beschädigter Anlagen nicht mehr im eigenen Land verarbeiten kann.

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Benzinknappheit auf der Krim

Der von Russland eingesetzte Regierungschef der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim, Sergej Axjonow, rief die Bevölkerung angesichts von Benzinknappheit zu Geduld und Ruhe auf. Auf der Krim kommt es zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung, nachdem ukrainische Drohnenangriffe die Lieferungen aus den angrenzenden, von Russland kontrollierten Gebieten eingeschränkt haben. Russland hatte die ukrainische Halbinsel bereits im Jahr 2014 annektiert.

Russland meldet Angriffe auf Rüstungsindustrie

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nacht mehrere Einrichtungen der Rüstungsindustrie in der Ukraine beschossen und getroffen. Allein in Kiew seien zehn Rüstungsunternehmen getroffen worden, darunter Firmen, die Kampfdrohnen herstellten. Auch in anderen Gebieten der Ukraine seien Einrichtungen der Rüstungsindustrie beschossen worden. Russland habe außerdem drei Rekrutierungszentren für die ukrainischen Streitkräfte in Kiew angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim im russisch kontrollierten Luhansk im vergangenen Monat gewesen, bei dem 21 Menschen getötet und 42 verletzt wurden. Die Ukraine bestreitet, das Studentenwohnheim angegriffen zu haben, und erklärt, sie habe ein Drohnen-Kommandozentrum in der Gegend im Visier gehabt.

Merz drängt auf EU-Beitrittsverhandlungen

Kanzler Friedrich Merz hat beim Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Peter Magyar in Berlin gefordert, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine beginnen sollen. „Wir verstehen, dass Budapest zunächst bilaterale Fragen klären will, wie etwa die Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine“, sagte Merz. „Das darf aber nicht zu Lasten der europäischen Unterstützung gehen und uns nicht von dem Ziel abbringen, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine jetzt auch mit dem ersten Kapitel förmlich zu eröffnen.“

Kreml spricht von „neuem Paradigma“

Der Krieg in der Ukraine ist nach Darstellung des Kremls wegen ukrainischer Angriffe auf Zivilisten in eine neue Phase eingetreten. Der Konflikt habe „ein neues Paradigma“ erreicht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Er reagierte damit auf Fragen zu den schweren russischen Luftangriffen in der Nacht, bei denen nach jüngsten Angaben mindestens 18 Menschen getötet und 100 verletzt wurden. Moskau stellt die Angriffe als Vergeltung für einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim im russisch kontrollierten Luhansk dar, bei dem 21 Menschen starben. Die Ukraine weist den Vorwurf zurück.

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Weitere Entwicklungen

In Dnipro stieg die Zahl der Toten nach dem russischen Großangriff auf elf. Die Leichen eines achtjährigen Jungen und einer Frau wurden aus den Trümmern eines zerstörten Gebäudes geborgen. Unter den Todesopfern befindet sich auch ein dreijähriger Junge. In Kiew wurden mindestens vier Menschen getötet. Russland prüft offenbar den Import von Flugzeugtreibstoff, wie das Nachrichtenportal RBC berichtet. Vizeministerpräsident Alexander Nowak wies das Energie- und das Verkehrsministerium sowie die Luftfahrtbehörde an zu prüfen, ob die Betankungsanlagen Kerosin der Sorte JET A-1 aus dem In- und Ausland aufnehmen können.

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff brach in der südrussischen Region Krasnodar ein Feuer in der Ölraffinerie Ilsky aus. Der ukrainische Generalstab bestätigte den Angriff und erklärte, die Anlage produziere Treibstoff für die russische Armee. Die ukrainische Energieinfrastruktur geriet erneut unter russischen Beschuss. Russland habe eine wichtige Anlage des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz in der Region Charkiw angegriffen, teilte das Unternehmen mit.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte am Montag erklärt, die eigenen Streitkräfte hätten zwischen Januar und Mai 15 russische Ölraffinerien angegriffen. Dies habe zu Treibstoffengpässen auf der Krim und in anderen von Russland besetzten Gebieten geführt. Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten, Kyrylo Budanow, hält ein Abkommen zur Beendigung des Krieges noch vor dem Winter für machbar. Die Lage an den Fronten sei stabil, betonte Selenskyj.