Annähernd eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem sechs Menschen getötet und über 300 weitere verletzt wurden, hat die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg die Höchststrafe für den mutmaßlichen Täter gefordert. Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher plädierte am Donnerstag vor dem Landgericht Magdeburg für eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung für Taleb al-Abdulmohsen. Zudem solle die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Die Gewalttat in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, so Böttcher, überschreite „jede menschlich begreifbare Dimension“.
Keine Zweifel an Täterschaft
Böttcher betonte, dass es keine ernsthaften Zweifel an der Täterschaft von al-Abdulmohsen gebe. Der Angeklagte habe die Tat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft „lange und im Voraus geplant“. Das dadurch ausgelöste Leid ganzer Familien dauere bis heute an und sei „schier unbeschreiblich“. Der aus Saudi-Arabien stammende Arzt hatte die Tat gestanden, jedoch bestritten, die Menschen gezielt überfahren zu haben. Seine Aussagen im Prozess waren oft wirr und von Verschwörungstheorien durchzogen.
Rache als Motiv
Laut Böttcher lag das eigentliche Tatmotiv in einem Konflikt des Angeklagten mit einem Kölner Flüchtlingsverein, gegen den er einen Zivilprozess verloren hatte. Dem Angeklagten sei es darum gegangen, für diese Niederlage sowie eine Reihe erfolgloser Strafanzeigen „Rache zu üben“. Am 20. Dezember 2024 war al-Abdulmohsen mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast und hatte zahlreiche Besucher erfasst. Sechs Menschen starben, mehr als 300 weitere wurden verletzt.
Weitere Plädoyers erwartet
In den kommenden Prozesstagen werden die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung erwartet. Die Schlussvorträge werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Ein genauer Termin für das Urteil steht noch nicht fest. Der Prozess läuft seit November am Landgericht Magdeburg.



