Ukraine: Drohne trifft Atommülllager bei Tschernobyl – Selenskyj verurteilt Angriff
Drohne trifft Atommülllager bei Tschernobyl

Russische Drohne trifft Atommülllager nahe Tschernobyl

Eine russische Drohne hat ukrainischen Angaben zufolge ein Lager für abgebrannte Brennelemente in der Nähe des Atomkraftwerks Tschernobyl getroffen. Die Strahlungswerte seien stabil geblieben, und es gebe keine Berichte über Verletzte, teilten der Generalstab in Kiew und die staatliche Atombehörde mit. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff als „extrem niederträchtig“. Russland habe das Gebiet gezielt angegriffen, schrieb er auf X. Eine Drohne vom Typ Schahed habe eines der Gebäude der Anlage getroffen. Es handele sich um eine äußerst kritische Infrastruktureinrichtung.

Stromleitung am AKW Saporischschja wiederhergestellt

Eine wichtige Stromleitung am Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine funktioniert wieder. Nach 15 Stunden Stromausfall sei die externe Versorgung von Europas größtem Kernkraftwerk wiederhergestellt worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf der Plattform X mit. Zuvor musste die Anlage zur Kühlung ihrer sechs abgeschalteten Reaktoren auf Notstromdieselgeneratoren zurückgreifen. Es habe sich bereits um den 18. Ausfall der externen Stromversorgung während des russischen Angriffskriegs gehandelt, einer der längsten. Der Vorfall unterstreiche die extreme Anfälligkeit des Stromnetzes, so IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi.

Ukraine meldet Angriff auf Öldepot in Region Leningrad

Das ukrainische Militär teilte mit, es habe in der Nacht ein Öldepot und einen Ölterminal in der russischen Region Leningrad getroffen. Präsident Selenskyj erklärte zuvor, das Militär habe zudem ein weiteres russisches Öldepot in der Region Krasnodar getroffen. Ukrainische Drohnen hätten in der Nacht ein Öllager in der südrussischen Region Krasnodar sowie eine Militärbasis nahe St. Petersburg getroffen. „Russland muss seinen Krieg beenden und seine Angriffe auf das Leben stoppen“, erklärte Selenskyj auf X.

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Selenskyj: „Russland wählt erneut den Krieg“

Der ukrainische Präsident bedauerte die Ablehnung eines direkten Treffens durch Kremlchef Wladimir Putin. „Leider wählt die russische Seite erneut den Krieg“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Die Antwort sei schwach und enttäusche viele in der Welt. Er forderte stärkere internationale Maßnahmen gegen den Kriegsgegner: „Russland muss weniger Geld haben und der Druck auf Russland muss steigen.“ Der Kreml erneuerte die Aufforderung zu einer Reise nach Moskau. Putins Berater Juri Uschakow bezeichnete Selenskyjs Schreiben als „mehrere Seiten Frechheiten“.

Weitere Entwicklungen im Überblick

  • IAEA: Russische Soldaten wurden bei einem Zwischenfall am AKW Saporischschja verletzt. IAEA-Chef Grossi rief zu maximaler militärischer Zurückhaltung auf.
  • Rosatom: Der russische Atomkonzern wirft der Ukraine vor, bei Minenräumarbeiten am AKW Saporischschja Ingenieure mit einer Drohne angegriffen zu haben. Die Ukraine weist die Vorwürfe zurück.
  • Gefangenenaustausch: Russland und die Ukraine tauschten je 185 Kriegsgefangene aus. Vermittelt wurde der Austausch von den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Rüstungsindustrie: Die Ukraine setzt auf ihre Rüstungsindustrie als Wirtschaftsfaktor. Finanzminister Serhij Martschenko sprach von einem boomenden Wirtschaftszweig.
  • Schröder-Vermittlung: Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder führte ein Vier-Augen-Gespräch mit Putin. Der Kreml bewertete das Gespräch als „gut und freundschaftlich“.

Reaktionen aus Deutschland

Außenminister Johann Wadephul sagte der Ukraine nach Putins Absage unerschütterliche Unterstützung zu. „Je eher Putin an den Verhandlungstisch kommt, desto eher hört das Sterben auf“, so der CDU-Politiker. Die Bundesregierung begrüßte Selenskyjs Verhandlungsangebot. Regierungssprecher Sebastian Hille betonte, ein tragfähiger Friede könne nur unter Einbeziehung der Europäer erreicht werden. Altkanzlerin Angela Merkel wies Spekulationen über eine mögliche Verhandlungsrolle für die EU zurück: „Man kann mit dem russischen Präsidenten nur verhandeln, wenn man mit politischer Macht ausgestattet ist.“

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