Russland setzt auf Zebra-Tarnung für Militärfahrzeuge
Im Ukraine-Krieg greift das russische Militär zu einer ungewöhnlichen Taktik: Es lackiert seine Fahrzeuge mit Zebra-Mustern. Wie das US-Fachmagazin „The War Zone“ berichtet, kursieren seit Tagen in sozialen Medien Bilder von Lastwagen der Marken KamAZ und Ural, die vollständig mit auffälligen schwarz-weißen Streifen überzogen sind. Ziel dieser Maßnahme ist es, die automatische Erkennung durch ukrainische Drohnen zu erschweren.
Zwei verschiedene Muster im Einsatz
Derzeit lassen sich mindestens zwei Varianten der Zebra-Tarnung unterscheiden. Einige Fahrzeuge tragen breite, geradlinige Streifen im klassischen Zebra-Look, während andere mit organisch wirkenden, blattförmig geschwungenen Mustern versehen sind. Beide sollen die KI-gestützte Objekterkennung moderner Drohnen verwirren.
Experte: Altes Prinzip mit neuer Wirkung
Der Politikwissenschaftler Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München erklärt, dass das Konzept der sogenannten „Adversarial AI“ genutzt wird. Dabei werden gezielt Muster und Störungen eingesetzt, um KI-Systeme aus dem Tritt zu bringen. Schon geringfügige Veränderungen können ausreichen, um die automatische Zielerfassung zu beeinträchtigen. Sauer verweist auf eine Testreihe der US-Marines, bei der sogar Umzugskartons als Tarnung gegen Objekterkennungssysteme erprobt wurden.
Dazzle-Tarnung aus dem Ersten Weltkrieg
Die Zebra-Lackierung ist keine neue Erfindung. Bereits im Ersten Weltkrieg setzte die britische Marine auf die sogenannte Dazzle-Tarnung, eine Störtarnung mit geometrischen Schwarz-Weiß-Mustern. Ziel war es, Kurs, Geschwindigkeit und Größe von Schiffen schwerer einschätzbar zu machen. Die kanadische Marine griff das Konzept 2020 erneut auf und lackierte ihr Kriegsschiff „Regina“ entsprechend um. Für Flugzeuge erwies sich die Methode mit dem Aufkommen der Radaraufklärung jedoch als weitgehend wirkungslos.
Wirksamkeit hängt von vielen Faktoren ab
Nick Reynolds, Research Fellow für Landkriegführung beim Royal United Services Institute, betont, dass der Nutzen der Tarnung von mehreren Faktoren abhängt. Dazu gehören die Präzision der Sensoren, die Leistungsfähigkeit der Algorithmen, die Kombination von elektro-optischen Sensoren und Wärmebildkameras sowie die Frage, ob die Farbe selbst die Wärmesignatur reduziert. Auch Entfernung, Wetter-, Lichtverhältnisse und Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle.
Wettrüsten zwischen Tarnung und KI erwartet
Sollte sich die Störtarnung als wirksam erweisen, erwartet Reynolds eine technologische Aufrüstungsspirale. Es werde unweigerlich zu einem Wettrüsten zwischen der Entwicklung immer besserer Tarnmethoden und immer leistungsfähigeren Erkennungsalgorithmen kommen. Die Zebra-Tarnung könnte also nur der Anfang einer neuen Ära der militärischen Täuschung sein.



