USA fürchten Eskalation: Keine Tomahawk-Raketen für Deutschland
USA fürchten Eskalation: Keine Tomahawk für Deutschland

Die USA haben ihren Plan aufgegeben, Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland zu stationieren. Wie das Magazin „Politico“ unter Berufung auf US-amerikanische und europäische Beamte berichtet, befürchtet das Pentagon, dass Russland eine solche Stationierung als Eskalation auffassen könnte. Die Marschflugkörper haben eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern und waren Teil eines ursprünglich für dieses Jahr geplanten Abkommens mit der Biden-Regierung. Es wäre das erste Mal seit dem Kalten Krieg gewesen, dass Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen auf deutschem Boden stationiert worden wären.

Hintergrund des geplatzten Deals

Bereits im Mai bestätigte der US-General und Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich das Aus. Das ursprüngliche Vorhaben sah neben den Tomahawk auch Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen vor – Waffen, die der Abschreckung Russlands dienen sollten. Als Gründe wurden bislang ein Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump, der hohe Verbrauch von Tomahawk im Iran-Krieg und eine strategische Abkehr der USA von Europa zugunsten des indopazifischen Raums genannt.

Der neue Bericht von „Politico“ nennt nun zusätzlich die Sorge vor einer Eskalation mit Russland. Im Ukraine-Krieg hatte der Kreml immer wieder Ängste vor einer – auch nuklearen – Eskalation geschürt. Deutschland hatte zwischenzeitlich gehofft, die Tomahawk zumindest aus den USA kaufen zu können, doch der Bericht deutet nicht darauf hin, dass dies noch eine Option ist.

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Folgen für die deutsche Verteidigung

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach bereits im Mai von einer „Fähigkeitslücke“. Fabian Hoffmann, Experte für Raketenwaffen am Norwegian Institute for Defence Studies (IFS), erklärte dem Tagesspiegel im März, dass Europa den Aufbau glaubhafter Fähigkeiten im offensiven Bereich „komplett verschlafen“ habe. Hoffmann wies jedoch auch darauf hin, dass Deutschland die Tomahawk wahrscheinlich ohnehin nicht vor Mitte der 2030er Jahre bekommen hätte. „Tomahawk war nie eine kurzfristige Lösung, und das Streben nach diesem Projekt hat die deutschen Entscheidungsträger wohl von leichter verfügbaren, wenn auch vielleicht weniger leistungsfähigen inländischen und europäischen Alternativen abgelenkt“, so Hoffmann.

Für Militärexperte Max Mutschler wäre es nicht dramatisch, sollten die USA Deutschland tatsächlich keine Tomahawk liefern. „Es gibt in der Nato – selbst wenn man nur die europäischen Mitglieder betrachtet – verschiedene Waffensysteme, die das auffangen können“, sagt Mutschler. So verfügten sowohl Briten als auch Franzosen über seegestützte Tomahawk. „Deutschland hat mit seinen luftgestützten Taurus-Marschflugkörpern ebenfalls bereits eine Option, Ziele im Hinterland Russlands zu bedrohen.“

Risiken der Aufrüstung

Wenn beide Seiten hier weiter aufrüsten, könne das jedoch sehr gefährlich werden, warnt Mutschler. Ihm zufolge sollte deshalb überlegt werden, „ob nicht eine wechselseitige Begrenzung von Mittelstreckenraketen in Europa die bessere Lösung wäre“. Um darüber überhaupt mit Moskau ins Gespräch zu kommen, könnte es allerdings erforderlich sein, dass die europäischen Nato-Staaten ihre Bereitschaft, aufzurüsten, zunächst einmal glaubwürdig kommunizieren. „Dann könnte auch Russland ein Interesse an Rüstungskontrolle haben.“ Ähnlich wie beim Nato-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren.

Korrektur: Zunächst war im Text von einer „kritischen Lücke“ die Rede. Die Formulierung wurde angesichts von Experteneinschätzungen abgeschwächt.

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