Russische Propaganda auf Finnisch: Kreml versucht Nordeuropa zu spalten
Russische Propaganda auf Finnisch: Kreml spaltet Nordeuropa

Russland intensiviert seine Propaganda in finnischer Sprache, um die öffentliche Meinung in Finnland zu beeinflussen und Zwietracht unter den nordischen Ländern zu säen. Während einige nordeuropäische Staaten vor einer wachsenden militärischen Bedrohung durch Moskau warnen, bleibt Finnland betont gelassen. Diese Uneinigkeit könnte ganz im Sinne von Kremlchef Wladimir Putin sein.

Propagandistin mit Putin-Porträt

Die Finnin Sally Rajski inszeniert sich in sozialen Medien als Aktivistin für Völkerfreundschaft und Wahrheit – und wird dabei von Moskau hofiert. In einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass behauptete sie, Finnland und Russland hätten nie Konflikte gehabt, die ukrainische Regierung sei 2014 brutal gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen und Finnlands Regierung verbreite antirussische Propaganda. Auf Instagram stellt sie zudem die Behauptung auf, Finnland zeige Nazi-Symbole wie das Hakenkreuz immer schamloser. Rajski bedient damit ein wiederkehrendes Narrativ russischer Desinformationskampagnen: Finnland sei ideologisch im Faschismus verwurzelt und solle entnazifiziert werden. Obwohl ihr weniger als 500 Menschen auf Instagram folgen, wurde sie von Tass interviewt – ein Zeichen für die verstärkten Propagandabemühungen des Kremls.

Uneinigkeit in Nordeuropa

Eine gemeinsame Recherche der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Schweden, Norwegen, Dänemark und Estland vom Juni zeigt auf Satellitenbildern umfangreiche russische Aufrüstung auf der Nordkalotte: Waldflächen werden abgeholzt, alte Gebäude abgerissen, neue Kasernen und Lagerhallen errichtet. Der dänische Rundfunk DR spricht in seiner Dokumentation „Kriegsplan Europa“ von Russlands Vorbereitung auf einen „möglichen Krieg mit den europäischen Ländern rund um die Ostsee“. Norwegens Armeechef Eric Kristoffersen sagte dem NRK: „Wenn Russland jetzt in dem Umfang aufrüstet, wie es angekündigt hat – und wie die Bilder zeigen, hat es damit bereits begonnen –, dann wird die militärische Bedrohung für Norwegen zunehmen.“

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Ganz anders klingt es aus Finnland. Präsident Alexander Stubb erklärte der Zeitung „Hufvudstadsbladet“: „Ich bin da ganz anderer Meinung. Russlands Ziel ist es, Europa und die europäischen Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Als Präsident, Oberbefehlshaber und Finne sehe ich keinerlei Anzeichen dafür, dass [ein Angriff Russlands] geschehen würde.“ Stubb, der bereits als Außenminister den russischen Einmarsch in Georgien 2008 kritisierte, sieht heute keine Anzeichen für eine unmittelbare Bedrohung.

Experten sehen keine unmittelbare Gefahr

Ryhor Nizhnikau vom Finnischen Institut für Auswärtige Politik bestätigt: „Es besteht keine unmittelbare Gefahr, derzeit gibt es auch keine Hinweise, die etwas anderes nahelegen würden. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Moskau hat keine Ressourcen. Sobald Truppen dorthin verlegt werden, ändert sich die Lage vollständig.“ Er erklärt die unterschiedlichen Sichtweisen mit verschiedenen institutionellen Logiken: Sicherheitsbehörden müssten vor möglichen Bedrohungen warnen, während Präsident Stubb die Lage aus politischer Perspektive betrachte.

Schattenflotte und hybride Bedrohungen

Schwedens Armeechef Michael Claesson warnte im Mai vor einer Verschlechterung der Sicherheitslage in der Ostsee, unter anderem wegen der wachsenden russischen Schattenflotte. Diese umgeht westliche Sanktionen, indem sie russische Güter unter undurchsichtigen Besitzerverhältnissen und oft unter Flaggen kleiner Drittstaaten transportiert. Nizhnikau sieht jedoch weniger die militärische Aufrüstung als vielmehr hybride Bedrohungen wie Desinformation und Propaganda als ernst zu nehmende Gefahr. „Wir sehen, dass Moskau Finnland derzeit große Aufmerksamkeit schenkt“, sagt er.

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Seit September 2023 verbreiten russische Medien immer wieder Berichte über Finnlands angebliche Nähe zum Hitler-Faschismus. Ex-Präsident Dmitri Medwedew schrieb in einem Gastbeitrag für Tass, Helsinki habe 1941 mit „unverhohlener Wildheit“ gemeinsam mit Nazideutschland die Sowjetunion überfallen. Zwar beteiligte sich Finnland tatsächlich am Angriff auf die Sowjetunion, sah dies jedoch als Fortsetzung des Winterkriegs von 1939, in dem Moskau Finnland angegriffen hatte. Mit Aktivistinnen wie Sally Rajski nutzt der Kreml nun gebürtige Finnen als Sprachrohr. Nizhnikau betont: „Moskau versucht aktiv, die öffentliche Wahrnehmung Finnlands zu verändern.“ Es sei wichtig, sich auf die aktuelle Lage und Russlands Propaganda zu konzentrieren, um unnötige Spannungen zu vermeiden. „Davon würde letztlich nur Moskau profitieren.“