Die russischen Streitkräfte haben in der Ukraine zum zweiten Mal in Folge mehr Territorium verloren als erobert. Das Institute for the Study of War (ISW) aus den USA berichtet von einer „weitreichenden Veränderung auf dem Schlachtfeld“. Dennoch ist der Weg für eine großflächige Befreiung des Ostens für die Ukraine noch lang.
Nettoverluste für Russland im Mai
Wie das ISW in seiner jüngsten Analyse mitteilt, verzeichnete die russische Armee im Mai unter dem Strich einen Verlust von etwa 281 Quadratkilometern ukrainischen Territoriums. Die ukrainischen Streitkräfte erzielten demnach vor allem in der östlichen Region Donezk und in der südlichen Region Saporischschja Geländegewinne. Der russische Vormarsch hatte sich bereits in den Vormonaten deutlich verlangsamt: Im Dezember 2025 hatte Russland noch 519 Quadratkilometer eingenommen, im März waren es nur noch 23 Quadratkilometer. Im April verzeichneten die russischen Truppen erstmals seit fast drei Jahren Nettoverluste und büßten die Kontrolle über 116 Quadratkilometer ein.
Erfolge der Ukraine in Prokrovsk
Ein Teil der ukrainischen Gewinne geht laut den Militärexperten auf Gebiete zurück, die Russland zwar mit einzelnen Soldaten infiltriert, aber nicht halten konnte. Besonders im Gebiet Prokrovsk habe die ukrainische Armee Fortschritte erzielt. Die Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass die russische Armee aufgrund der saisonalen Schneeschmelze – der sogenannten Rasputitsa – in Schwierigkeiten geraten ist. Im Mai 2025 gelang es Russland noch, 515 Quadratkilometer zu erobern.
„Russlands nachlassende Fortschritte scheinen nicht mit den saisonalen Wetterveränderungen zusammenzuhängen, die traditionell das Vorrücken erschweren, sondern sind wahrscheinlich das Ergebnis weitreichenderer Veränderungen auf dem Schlachtfeld im Jahr 2026“, heißt es in der Analyse des ISW.
Befreiung noch in weiter Ferne
Allerdings ist der Weg für Kiew, sämtliche von Russland kontrollierten Gebiete zurückzuerobern, noch sehr weit. Die Gebietsgewinne im April und Mai machen nur etwa 0,4 Prozent des gesamten von Russland kontrollierten Gebiets in der Ukraine aus. Die Front verschiebt sich insgesamt nur langsam. In der sogenannten „Kill Zone“ – einem bis zu 30 Kilometer tiefen Gebiet auf beiden Seiten der Front, in dem Soldaten ständig tödlicher Gefahr ausgesetzt sind – sind kaum größere Vorstöße möglich.
Insgesamt hält Russland den ISW-Daten zufolge weiterhin etwas mehr als 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Dazu gehören die bereits 2014 annektierte Halbinsel Krim sowie Gebiete in den Regionen Donezk und Luhansk, die bereits vor der Vollinvasion im Jahr 2022 von prorussischen Separatisten kontrolliert wurden. Den Großteil des restlichen Gebiets hatte Russland in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn im Februar 2022 erobert.



