Abschiebung in den Kongo: Kolumbianer berichtet von Trumps neuer Praxis
Abschiebung in den Kongo: Kolumbianer berichtet

Abschiebung nach Afrika: Der Fall des Kolumbianers Jorge Cubillos

Unter der neuen Abschiebepraxis von US-Präsident Donald Trump werden lateinamerikanische Migranten nicht in ihre Heimatländer zurückgebracht, sondern in afrikanische Drittstaaten. Die WELT hat einen Betroffenen ausfindig gemacht: Jorge Cubillos, ein 42-jähriger Kolumbianer, der seit Mitte April in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, festsitzt. Sein Fall zeigt die konkreten Folgen dieser Politik.

Von Florida nach Kinshasa

Cubillos lebte acht Jahre in den USA, zuletzt mit seiner Familie in St. Cloud bei Orlando, Florida. Er arbeitete als Lkw-Fahrer und später als Uber-Fahrer. Am 8. Januar 2026 wurde er während einer Uber-Schicht festgenommen. Zwei Tage nach dem Interview konfrontierte ihn die WELT mit Dokumenten des Seminole County Sheriff’s Office, denen zufolge er Anfang Januar wegen häuslicher Gewalt verhaftet worden war. Cubillos räumte ein, die Information verschwiegen zu haben, und bezeichnete den Vorfall als Missverständnis. Seine Frau habe keine Klage eingereicht, und er sei nach einer Nacht in Polizeigewahrsam freigekommen.

Rechtliche Situation

Cubillos’ Asylantrag war bereits 2022 abgelehnt worden. Er erhielt jedoch einen sogenannten „withholding of removal“-Status, der eine Rückführung erschwert, und wartete auf eine gerichtliche Entscheidung im Rahmen eines Habeas-Corpus-Verfahrens. Das US-Heimatschutzministerium widerspricht: „Ein Einwanderungsrichter erließ 2022 eine endgültige Abschiebungsanordnung. Er erhielt ein vollständiges rechtsstaatliches Verfahren. ICE schob diesen Straftäter am 15. April 2026 aus den USA ab.“

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Cubillos lehnte eine Rückkehr nach Kolumbien aus Sicherheitsgründen ab. Beamte versuchten, ihn zur Zustimmung für eine Ausreise nach Mexiko zu bewegen, drohten andernfalls mit Abschiebung nach Afrika. Er nahm die Drohung nicht ernst, bis er zehn Tage vor der erwarteten Gerichtsentscheidung zum Flughafen gebracht wurde. Erst beim Einstieg erfuhr er, dass sein Flug nach Kinshasa ging. Seine Familie konnte er kaum informieren; erst 27 Stunden später hatte er wieder Zugang zu seinem Telefon.

Leben im Kongo

Die Migranten sind im „Venus Village“ untergebracht, einem heruntergekommenen Hotelkomplex am Stadtrand von Kinshasa. Die Bungalows wirken bewohnbar, aber es gibt Probleme mit der Wasserversorgung. Cubillos zeigt im Videocall sein Zimmer: kein Wasser, der Wasserhahn funktioniert nicht. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) stellte jedem 100 Dollar für erste Ausgaben zur Verfügung. „Davon habe ich T-Shirts und Hygieneartikel gekauft. Viel bleibt nicht. Kongo ist teuer.“

Mehrere Bewohner klagen über Fieber und Schwäche. Cubillos hat Verdauungsprobleme wegen des Essens. Ein Arzt sagte, das sei normal, man werde sich gewöhnen. Das glaubt Cubillos nicht. Er hat Angst, auf den überfüllten Straßen Kinshasas ausgeraubt zu werden.

Hoffnung für eine andere Abgeschobene

Ein US-Bundesrichter entschied am Mittwoch, dass die Trump-Regierung wahrscheinlich gegen geltendes Recht verstoßen habe, als sie Adriana Maria Quiroz Zapata in den Kongo abschob – aus medizinischen Gründen hätte sie nicht abgeschoben werden dürfen. Ob sie zurückgebracht wird, ist offen. Für Cubillos gilt das nicht.

Familie in Florida

Cubillos’ Frau hat ihren Job als Amazon-Fahrerin aufgegeben, aus Angst, bei Auslieferungen kontrolliert und festgenommen zu werden. Sie arbeitet nun als Reinigungskraft. Vier Kinder warten auf sie. Der älteste Sohn ist 17, dann folgen elf, sechs und drei Jahre. „Die Großen verstehen, was passiert“, sagt Cubillos. „Das ist schwer für sie.“

Jede Nacht telefoniert er bis zwei Uhr morgens mit seiner Familie, wegen der Zeitverschiebung. Er schläft kaum. Freunde und Verwandte haben rund 2000 Dollar gesammelt. Ein Anwalt verschwand, Geld ging verloren. Ein Flug nach Kolumbien kostet 2900 Dollar. Die kongolesischen Behörden haben seine Aufenthaltserlaubnis verlängert, die Verpflegung ist vorerst gesichert.

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Zukunft ungewiss

Cubillos tendiert zur Rückkehr nach Kolumbien, obwohl er es für gefährlich hält. Er fragt sich, wie er dort seine Familie ernähren soll. Langfristig hofft er auf einen Neuanfang in einem anderen Land. „Meine Kinder sind zweisprachig, ich kann arbeiten. Wir wollen nur eine Chance, irgendwo normal leben zu dürfen.“