Reise nach Israel: Wie mein Koffer in den Nahostkonflikt geriet
Eine Kolumne von Alexander Osang
Eigentlich hatte ich vor, nur mit einer kleinen Tasche nach Tel Aviv zu fliegen. Aber dann erklärte Donald Trump, da sei „diese Sache mit Iran“ – und die Weltpolitik erfasste mich an meinem Kleiderschrank. Mein Koffer, den ich sorgfältig gepackt hatte, wurde plötzlich Teil eines größeren Dramas.
Die Reise begann am Flughafen Berlin Brandenburg. Während ich auf meinen Flug wartete, verfolgte ich die Nachrichten. Die Spannungen im Nahen Osten hatten einen neuen Höhepunkt erreicht. Ich fragte mich, ob ich überhaupt fliegen sollte. Doch dann dachte ich: Warum sollte ich mich von der Politik einschüchtern lassen?
Am Check-in-Schalter wurde mein Koffer gewogen und aufgegeben. Er war nicht besonders schwer, aber er enthielt alles, was ich für eine Woche in Israel brauchte. Jeans, T-Shirts, ein Paar Schuhe, Toilettenartikel. Nichts Besonderes. Doch als ich die Sicherheitskontrolle passierte, wurde mir klar, dass dieser Koffer mehr war als nur ein Gepäckstück. Er war ein Symbol für meine Unbeschwertheit, die ich angesichts der politischen Lage vielleicht nicht haben sollte.
Im Flugzeug saß ich neben einem Geschäftsmann, der regelmäßig nach Tel Aviv reist. Er erzählte mir von den neuesten Entwicklungen. „Die Lage ist angespannt, aber das Leben geht weiter“, sagte er. Ich nickte, aber innerlich war ich unruhig. Mein Koffer lag im Frachtraum, und ich fragte mich, ob er sicher ankommen würde.
Nach der Landung in Tel Aviv wartete ich am Gepäckband. Viele Koffer kamen vorbei, aber meiner war nicht dabei. Die Minuten wurden zu einer halben Stunde. Ich begann mir Sorgen zu machen. War mein Koffer irgendwo in der Weltpolitik stecken geblieben? Hatte er etwas mit dem Iran-Konflikt zu tun? Schließlich tauchte er auf – unversehrt, aber mit einem kleinen Kratzer. Ich war erleichtert.
Draußen am Flughafen spürte ich die Hitze des Nahen Ostens. Ich nahm ein Taxi in die Stadt. Der Fahrer fragte, woher ich komme. „Aus Deutschland“, sagte ich. „Ah, Deutschland“, erwiderte er, „viel Politik.“ Wir lachten. Mein Koffer lag auf dem Rücksitz, ein stiller Zeuge meiner Reise und der großen Weltpolitik, die uns alle betrifft.
In den nächsten Tagen erkundete ich Tel Aviv, traf Freunde, aß Hummus und schwamm im Mittelmeer. Der Koffer blieb in meinem Hotelzimmer, aber ich dachte oft an ihn. Er war nicht nur ein Behälter für Kleidung, sondern ein Teil meiner Geschichte. Ein Koffer, der in den Nahostkonflikt geraten war – und doch nur ein Koffer blieb.



