Erschreckende Bilanz: Fast 1000 antimuslimische Vorfälle in Berlin
Fast 1000 antimuslimische Vorfälle in Berlin 2025

Antimuslimische Vorfälle in Berlin erreichen neuen Höchststand

Die Melde- und Informationsstelle Claim hat für das Jahr 2025 eine alarmierende Bilanz gezogen: Fast 1000 antimuslimische Vorfälle wurden in Berlin registriert. Konkret dokumentierte die Stelle 975 Fälle, darunter Beleidigungen, Diskriminierungen, körperliche Angriffe und Sachbeschädigungen. Besonders betroffen sind Frauen, die in 58 Prozent der erfassten Vorfälle Opfer wurden. Oft sind sie aufgrund ihres Kopftuches erkennbar, aber auch, weil sie als weniger wehrhaft gelten. Männer waren in 41 Prozent der Fälle betroffen, auch Kinder wurden Opfer.

Hintergründe der Übergriffe

Laut Studien erleben viele Muslime fast täglich Rassismus. Eine Sprecherin von Claim betonte, dass diese negativen Erfahrungen in der Gesellschaft oft geleugnet und relativiert würden. Muslime würden immer wieder als Integrationsproblem und Sicherheitsrisiko behandelt. Hier sei vor allem die Politik gefordert, um gegenzusteuern.

Alltägliche Übergriffe

Die Übergriffe ereignen sich meist im Alltag: auf der Straße, in Bussen und Bahnen, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, beim Arztbesuch oder in der Schule. Erfasst wurden 399 Beleidigungen und Bedrohungen, 273 Diskriminierungen, 212 Sachbeschädigungen und 65 Körperverletzungen. Die Organisation wies darauf hin, dass etwa zehn Prozent der Berliner Muslime seien, die die Stadt und Deutschland am Laufen hielten – als Pfleger, Ärzte, Reinigungskräfte, Lehrer, Verkäufer, Restaurantbesitzer, Kellner und viele mehr.

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Vergleich zum Vorjahr

Im Jahr 2024 wurden 644 derartige Fälle in Berlin gezählt – deutlich weniger. Allerdings gab es zuletzt mehr Meldestellen, und die Dokumentationsstelle ist bekannter, sodass sich nicht schließen lasse, dass auch mehr passiert sei. Zugleich wurde betont, dass es eine hohe Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle gebe.

Konkrete Beispiele für Übergriffe

In der Jahresbilanz wurden auch konkrete Beispiele genannt: Im April 2025 in Prenzlauer Berg wurde eine Gruppe von fünf Frauen auf dem Weg zu einem Einkaufszentrum von einem Mann beim Einsteigen in eine Straßenbahn behindert, angespuckt und beschimpft und wegen ihrer Kopftücher beleidigt. Im Juni beleidigte ein Mann auf einem Spielplatz in Charlottenburg zwei Mädchen mit Kopftüchern sowie jüngere Kinder in ihrer Begleitung. In einer Bahn bedrohte und beschimpfte ein Mann im Oktober mehrere Menschen rassistisch und äußerte antimuslimische, antipalästinensische und islamfeindliche Parolen.

Bundesweites Lagebild angekündigt

Das bundesweite Lagebild antimuslimischer Übergriffe und Diskriminierungen für 2025 soll am 23. Juni vorgestellt werden. In Berlin gibt es bereits eine Reihe von Initiativen, die rassistische, antisemitische, homophobe, rechtsextreme und antimuslimische Vorfälle registrieren. Die meisten werden vom Bund oder dem Land mitfinanziert.

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