Die Ukraine hat Medienberichten zufolge erneut strategisch wichtige Objekte in der russischen Schwarzmeerregion Krasnodar und auf der von Moskau annektierten Halbinsel Krim angegriffen. Getroffen worden seien dabei auch ein Ölterminal und ein Öldepot nahe der Großstadt Kertsch im Osten der Krim, berichtete das Internetportal „Ukrajinska Prawda“. Auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge wurde demnach mit dem Hafen Kawkas im Gebiet Krasnodar ebenfalls eine schon früher attackierte Anlage erneut unter Beschuss genommen.
Keine offizielle Bestätigung für die Angriffe
Offiziell gibt es bislang keine Bestätigung für die Angriffe. Das russische Verteidigungsministerium meldete lediglich den Abschuss von insgesamt 143 ukrainischen Drohnen, ohne Angaben zu den Folgen zu machen. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder und Videos zeigen Explosionen und Feuer in der Nacht und dunkle Rauchwolken am Morgen. Die Flughäfen von Krasnodar und Sotschi waren stundenlang für den Flugverkehr gesperrt. Auf der Krim landen seit Beginn des vor mehr als vier Jahren von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine ohnehin keine Passagierflugzeuge mehr.
Treibstoffkrise in Russland weitet sich bis nach Sibirien aus
Die durch ukrainische Angriffe auf Öl-Anlagen ausgelöste Treibstoffkrise in Russland weitet sich auf immer mehr Gebiete bis nach Sibirien aus. Mehrere russische Regionen rationieren inzwischen den Verkauf von Benzin und Diesel. In der sibirischen Region Omsk werde die Abgabe von Benzin auf 40 Liter pro Auto begrenzt, teilte Gouverneur Witali Chozenko am Montagabend auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Diesel werde je nach Standort auf 80 bis 200 Liter limitiert, das Abfüllen in Kanister sei verboten. Damit sollten Panikkäufe an den Tankstellen verhindert werden. Auch die benachbarte Region Nowosibirsk bereitet nach Angaben ihres Gouverneurs Andrej Trawnikow ähnliche Einschränkungen vor. Ab Dienstag rationiert zudem der zweitgrößte russische Ölkonzern Lukoil den Verkauf von Benzin und Diesel in der Region Woronesch im südlichen Zentralrussland, wie die Behörden dort mitteilten.
Die Engpässe in dem Land, das der drittgrößte Ölproduzent der Welt ist, sind eine Folge der verstärkten ukrainischen Luftangriffe auf die russische Energieinfrastruktur sowie auf Logistik- und Versorgungswege. Diese trafen auch Ziele, die mehr als 2000 Kilometer von der Frontlinie in der Ukraine entfernt liegen. Die Kraftstoffkrise betrifft neben den sibirischen Gebieten auch die von Russland annektierte Halbinsel Krim sowie Regionen im Zentrum und Osten des Landes.
Die Ukraine versucht mit den Angriffen auf Öl- und Gasanlagen auch tiefer im Landesinneren, eine wichtige Einnahmequelle für Russlands Kriegswirtschaft zu treffen. Die Führung in Moskau hatte zuletzt die Ausfuhr von Flugtreibstoff bis zum 30. November verboten und die Ausfuhr von Benzin eingeschränkt.
Russland: Mit Raketen bestückte Tu-160-Bomber absolvieren Testflug über Barentssee
Russische, mit Raketen bestückte Bomber vom Typ Tu-160 absolvieren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau derzeit einen 16-stündigen Flug über der Barentssee und dem Europäischen Nordmeer. Der Routineflug in der neutralen Zone umfasse auch einen Test zur Luftbetankung, teilte das Ministerium auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Maschinen werden nach russischen Angaben von MiG-31-Kampfjets begleitet und zeitweise von ausländischen Kampfflugzeugen eskortiert. Um welche Länder es sich dabei handelt, wird nicht mitgeteilt. Im Norden grenzt Russland an die Nato-Mitglieder Norwegen und Finnland.
Estland: Abgestürzte Drohne mit Sprengsatz entdeckt
Im Südosten Estlands ist eine abgestürzte Drohne gefunden worden, die mit rund fünf Kilogramm Sprengstoff beladen war. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden handelt es sich vermutlich um ein unbemanntes Flugobjekt, das Anfang Juni in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Die Drohne sei von einem Anwohner beim Mähen im hohen Gras auf einem Feld in der Gemeinde Rõuge entdeckt worden. Einige Trümmerteile seien auch in einem Baum gefunden worden, von dem sie vermutlich heruntergefallen seien, sagte der Leiter der estnischen Sicherheitspolizei, Harrys Puusepp, dem estnischen Rundfunk.
Puusepp vermutete, dass die Drohne am 3. Juni während eines ukrainischen Angriffs auf Russland auf einem Feld abstürzte. Radargeräte der estnischen Luftwaffe hatten damals mehrere Flugobjekte erfasst, woraufhin Nato-Kampfjets aufgestiegen. Kurz darauf sei das Radarsignal der Drohne aber in der Nähe des Fundorts der Trümmerteile verschwunden.
Fünf Tote bei ukrainischem Raketenangriff auf südwestrussische Stadt Woronesch
Bei einem ukrainischen Raketenangriff auf die Stadt Woronesch im Südwesten Russlands sind nach Behördenangaben fünf Menschen getötet worden. „Wir haben heute äußerst schwere Verluste erlitten“, erklärte Regionalgouverneur Alexander Gussew am Montag im Onlinedienst Telegram. „Fünf Menschen wurden infolge des Raketenangriffs auf die Stadt getötet.“ Den größten Sachschaden in Woronesch habe ein Industriebetrieb am Ufer des gleichnamigen Flusses erlitten, in dem ein Feuer ausgebrochen sei. Mehrere Dutzend Menschen hätten medizinische Hilfe gesucht, teilte Gussew weiter mit. Die meisten von ihnen seien nach der Behandlung aber wieder nach Hause entlassen worden.
Estland erhält deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Estland hat das erste Mittelstrecken-Flugabwehrsystem Iris-T aus Deutschland erhalten. Die Luftwaffe des baltischen EU- und Nato-Landes nahm auf dem Militärflugplatz Ämari eine Einheit des bodengebundenen Waffensystems des Herstellers Diehl Defence entgegen. Dies teilten das estnische Militär und das Unternehmen mit. Estlands Luftwaffen-Chef Riivo Valge sprach von einem „wichtigen Tag für die estnischen Streitkräfte und die estnische Luftwaffe“. Iris-T ermögliche dem an Russland grenzenden Estland, Bedrohungen aus der Luft auf größere Entfernungen und in größeren Höhen als mit den bisherigen Kurzstreckensystemen zu bekämpfen.
Die Luftverteidigung gilt als eine Schwachstelle Estlands, das den Kauf von Iris-T gemeinsam mit dem benachbarten Lettland vereinbart hatte. Die beiden Baltenstaaten betrachten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als direkte Gefahr für ihre Sicherheit. Die Regierung in Tallinn hat deshalb die Militärausgaben bereits massiv aufgestockt und rüstet die Streitkräfte auf. Die estnische Armee soll insgesamt drei Einheiten des Flugabwehrsystems erhalten, die beiden noch ausstehenden Systeme sollen im kommenden Jahr geliefert werden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Diehl Defence zufolge soll es sich „um die bis dato größte Verteidigungsinvestition in der Geschichte des Landes“ handeln.
Ukraine attackiert russisches Zentrum für Weltraumkommunikation
Ukrainische Drohnen haben das Zentrum für Weltraumkommunikation in der Stadt Dubna 120 Kilometer nördlich von Moskau angegriffen. Den vom Generalstab in Kiew gemeldeten Angriff bestätigten später staatliche russische Stellen. „Die Funktionstüchtigkeit der TV-Ausstrahlung und des Nachrichtenverkehrs wurde nicht gestört“, teilte der Pressedienst des russischen Betreibers von Kommunikationssatelliten mit. Die Folgen des Angriffs würden beseitigt, Personal sei nicht zu Schaden gekommen, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Ukraine machte keine Angaben zu den Folgen. Das Zentrum in Dubna wurde zur Übertragung der Olympischen Spiele 1980 in Moskau eingerichtet. Später organisierte das Zentrum einen direkten Draht zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus. Ob das Zentrum auch für militärische Zwecke genutzt wird, ist nicht bekannt.
Polen wirft der Ukraine Undankbarkeit vor
Der Chef der Kanzlei des polnischen Präsidenten, Zbigniew Bogucki, hat ukrainische Politiker scharf kritisiert, die polnische Staatsauszeichnungen zurückgeben. „Vertreter der ukrainischen Führung geben polnische Auszeichnungen leichtfertig zurück und vergessen dabei, dass genau diese Hände einst um Hilfe baten – und diese Hilfe aus Polen kam: von der polnischen Regierung, den Kommunen, Nichtregierungsorganisationen und Millionen von Polen“, schrieb Bogucki auf X. Hintergrund ist ein diplomatischer Streit um die Entscheidung Kyjiws, einer Eliteeinheit der ukrainischen Spezialkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen. Die Ukrainische Aufstandsarmee UPA wird in der Ukraine von Teilen der Gesellschaft als antisowjetische Unabhängigkeitsbewegung verehrt. In Polen ist sie jedoch wegen der Massaker an polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs hochumstritten. Polens Präsident Karol Nawrocki hatte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj daraufhin den Orden des Weißen Adlers aberkannt – die höchste staatliche Auszeichnung Polens. Am 20. Juni schickte Selenskyj den Orden an Nawrocki zurück.
Teile der Krim nach Drohnenangriffen ohne Strom
Nach den jüngsten Drohnenangriffen kommt es auf der von Russland besetzten Krim zu Problemen bei der Stromversorgung. Die Behörden der Halbinsel haben deshalb Einschränkungen beim Stromverbrauch eingeführt, teilte der Energieversorger „Krymenerhoinform“ bei Telegram mit. „Aufgrund von Störungen an Anlagen des Stromnetzes der Republik Krim werden in den Regionen der Halbinsel Verbrauchsbeschränkungen für elektrische Energie eingeführt. Informationen zu den entsprechenden Abschaltplänen werden auf den offiziellen Seiten der Verwaltungen und Kommunen sowie auf der offiziellen Website des Unternehmens veröffentlicht“, heißt es in der Mitteilung. Wie „Moscow News“ berichtet, kam es nach den Drohnenangriffen vom 21. Juni in mehreren Teilen der Krim zu Stromausfällen. Die Einwohner seien dazu aufgefordert worden, ihren Stromverbrauch zu reduzieren und möglichst auf Klimaanlagen sowie andere energieintensive Geräte zu verzichten. Die von Moskau eingesetzten Behörden auf der seit 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim haben zudem die Unterbringung von Kindern zu Erholungs- und Tourismuszwecken verboten. Das gelte bis zum 1. September, hieß es in einem entsprechenden Dekret. In der Hafenstadt Sewastopol seien für Montag alle öffentlichen Open-Air-Veranstaltungen abgesagt worden, teilte Stadtgouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram mit. Es werde auch keine Straßenbeleuchtung geben. Auch Raswoschajew rief die Bevölkerung zum Stromsparen auf. Zuvor hatten ukrainische Drohnenangriffe auf Versorgungswege und Energieanlagen zu einem Treibstoffmangel in der bei russischen Touristen beliebten Urlaubsregion geführt.



