Tu-160-Bomber über Barentssee: Russland testet Raketenflug
Tu-160-Bomber absolvieren Testflug über Barentssee

Russische, mit Raketen bestückte Bomber vom Typ Tu-160 absolvieren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau derzeit einen 16-stündigen Flug über der Barentssee und dem Europäischen Nordmeer. Der Routineflug in der neutralen Zone umfasse auch einen Test zur Luftbetankung, teilt das Ministerium auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Maschinen werden nach russischen Angaben von MiG-31-Kampfjets begleitet und zeitweise von ausländischen Kampfflugzeugen eskortiert. Um welche Länder es sich dabei handelt, wird nicht mitgeteilt. Im Norden grenzt Russland an die Nato-Mitglieder Norwegen und Finnland.

Estland: Drohne mit Sprengstoff entdeckt

Im Südosten Estlands ist eine abgestürzte Drohne gefunden worden, die mit rund fünf Kilogramm Sprengstoff beladen war. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden handelt es sich vermutlich um ein unbemanntes Flugobjekt, das Anfang Juni in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Die Drohne sei von einem Anwohner beim Mähen im hohen Gras auf einem Feld in der Gemeinde Rõuge entdeckt worden. Einige Trümmerteile seien auch in einem Baum gefunden worden, von dem sie vermutlich heruntergefallen seien, sagte der Leiter der estnischen Sicherheitspolizei, Harrys Puusepp, dem estnischen Rundfunk.

Puusepp vermutete, dass die Drohne am 3. Juni während eines ukrainischen Angriffs auf Russland auf einem Feld abstürzte. Radargeräte der estnischen Luftwaffe hatten damals mehrere Flugobjekte erfasst, woraufhin Nato-Kampfjets aufgestiegen. Kurz darauf sei das Radarsignal der Drohne aber in der Nähe des Fundorts der Trümmerteile verschwunden. Nach Angaben von Puusepp wurde der Fund der Drohne bereits am 10. Juni gemeldet und der Flugkörper anschließend vor Ort von Ermittlern untersucht. Der Gefahrenbereich sei abgesperrt worden und Unbeteiligte nicht gefährdet gewesen. Wegen einer großangelegten Militärübung sei die Öffentlichkeit aber erst jetzt darüber informiert worden, sagte der Behördenleiter.

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Ukraine attackiert russisches Satelliten-Zentrum

Ukrainische Drohnen haben das Zentrum für Weltraumkommunikation in der Stadt Dubna 120 Kilometer nördlich von Moskau angegriffen. Den vom Generalstab in Kiew gemeldeten Angriff bestätigten später staatliche russische Stellen. „Die Funktionstüchtigkeit der TV-Ausstrahlung und des Nachrichtenverkehrs wurde nicht gestört“, teilte der Pressedienst des russischen Betreibers von Kommunikationssatelliten mit. Die Folgen des Angriffs würden beseitigt, Personal sei nicht zu Schaden gekommen, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Ukraine machte keine Angaben zu den Folgen.

Laut der Website der russischen Satellitenkommunikationsgesellschaft (RSCC) ist die Anlage in Dubna die größte Satelliten-Bodenstation in Russland und eine der größten in Europa.

Russland: Angriffe auf Saporischschja und Fabrik in Woronesch

In der Nacht zum Montag hat Russland die Stadt im Südosten der Ukraine mit Drohnen attackiert. Die Systeme vom Typ Schahed trafen laut örtlichen Angaben vor allem Ziele in Wohngebieten. Eine Frau und drei weitere Menschen wurden verletzt. In der westrussischen Millionenstadt Woronesch ist offiziellen Angaben nach eine Fabrik bei einem Angriff mit Marschflugkörpern beschädigt worden. „Zum derzeitigen Moment ist bekannt, dass es drei Verletzte gibt, davon ist einer schwer verletzt“, schrieb Woroneschs Gouverneur Alexander Gussew bei Telegram. Seiner Darstellung nach hat die Flugabwehr mehrere „fliegende Hochgeschwindigkeitsziele“ über der Stadt entdeckt und vernichtet, zugleich räumte er aber auch Schäden in den Produktionshallen eines Unternehmens ein. Darüber hinaus seien die Fassaden mehrerer Wohnblocks und eine Reihe von Autos zu Schaden gekommen, schrieb er.

Gussew gab keine Details zu dem Unternehmen bekannt. Medienberichten zufolge handelt es sich um eine Fabrik, in der Transistoren und andere Elektronikbauteile hergestellt werden. Diese sollen auch für den Bau von Marschflugkörpern genutzt worden sein, die Russland bei seinen Angriffen auf ukrainische Städte einsetzt.

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Krim: Brücke gesperrt, Benzinverkauf gestoppt

Russische Behörden auf der von Moskau besetzten ukrainischen Halbinsel Krim informierten in der Nacht über die Schließung der Krim-Brücke zwischen Kertsch und dem russischen Festland für den Autoverkehr. Auch der Hafen Kawkas auf der russischen Seite der Straße von Kertsch soll bei dem Angriff getroffen worden sein. Dort liegen ebenfalls ein Kraftstoffterminal und ein Öldepot. Auch der Fährverkehr zwischen dem Festland und der Krim wurde eingestellt. Der Schließung der Krim-Brücke gehen neue massive ukrainische Drohnenangriffe voraus.

Auf der Halbinsel gibt es eine Benzin-Krise. Der von Moskau eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, informierte am Morgen bei Telegram, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden, teilte er mit. Tanken sei nur für die operativen Dienste möglich. Die von Russland eingesetzten Behörden auf der besetzten Krim haben den Kraftstoffverkauf an Tankstellen ausgesetzt und die Versorgung auf staatliche Dienste beschränkt. Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien. Ab 9 Uhr Ortszeit am Sonntag werde Kraftstoff nur noch für Dienste bereitgestellt, die für das Funktionieren und die Sicherheit der Krim entscheidend seien, erklärte Sergej Aksjonow, der von Moskau eingesetzte Leiter der Halbinsel, auf Telegram.

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Verkehrsverbindungen zur Krim und auf die russische Ölinfrastruktur verstärkt. Allein die Raffinerie in Moskau wurde in der vergangenen Woche zweimal getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Streitkräfte hätten Einrichtungen auf beiden Seiten einer Brücke angegriffen, die das russische Festland mit der Krim verbindet. Der ukrainische Generalstab teilte auf Telegram mit, dass der Hafen Kavkaz in der russischen Region Krasnodar sowie ein Ölterminal in Kertsch in der Nacht getroffen worden seien. Zudem bestätigte er einen früheren Angriff auf die Ölraffinerie Tjumen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien in der Nacht 239 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.

Selenskyj droht Belarus mit Maßnahmen

Die russische Regierung wirft der Ukraine vor, die Souveränität ihres engen Verbündeten Belarus zu bedrohen. Es gebe jedoch keinen Zweifel daran, dass die Führung in Minsk in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen, erklärt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj droht Belarus mit Maßnahmen, sollte das Land nicht umgehend militärisches Gerät abziehen, das Russland nach seinen Worten zur Koordinierung von Angriffen auf die Ukraine nutzt. Der russische Staatschef Wladimir Putin und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko würden die Äußerungen Selenskyjs besprechen, kündigt Peskow an.

Selenskyj erwartet vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko konkrete Schritte zur Deeskalation. „Lukaschenko muss über Worte hinaus Deeskalation demonstrieren“, sagte er in einem Interview ukrainischer Medien. Eine bloße Entschuldigung des engen Verbündeten Moskaus genüge nicht: „Sein ‚Ich entschuldige mich‘ soll er für sich behalten, das funktioniert seit dem ersten Tag des Kriegs nicht mehr.“

Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands. Beim Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 griff die russische Armee auch von belarussischem Gebiet aus in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew an, musste sich aber nach schweren Verlusten zurückziehen. Lukaschenko hatte erst vor kurzem Moskau und Kiew aufgerufen, den Krieg zu beenden, da ein militärischer Sieg für beide Seiten unrealistisch sei. Zugleich betonte er, die Ukraine habe von Belarus nichts zu befürchten und entschuldigte sich bei Selenskyj. Kiew sieht sich derzeit durch mehrere russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet bedroht. Solche technischen Zwischenstationen leiten Signale weiter; nach ukrainischer Darstellung nutzt Russland sie, um Drohnen bei Angriffen auf Ziele in der Ukraine zu steuern. Selenskyj hatte Lukaschenko bereits mehrfach aufgefordert, die Anlagen abzubauen: „Wenn sie es nicht abschalten, werden wir es abschalten, Punkt.“

Ukraine: Tote bei russischen Angriffen

Durch russische Angriffe sind in der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Gemeinde Snob-Nowhorodske im nordostukrainischen Gebiet Sumy habe ein Drohnenangriff das Haus einer kinderreichen Familie getroffen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Ein 13-Jähriger, sein Vater und seine Großmutter seien ums Leben gekommen. Die Mutter und zwei Geschwister im Alter von 10 und 13 Jahren wurden den Angaben zufolge verletzt. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurde eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere seien verletzt worden. Der Flugkörper schlug demnach in ein Haus in einem Wohngebiet ein und löste einen Brand aus.

Bei einem russischen Raketenangriff auf die südukrainische Region Odessa wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Mensch getötet und drei weitere verletzt. Russland habe eine ballistische Rakete vom Typ Iskander auf einen landwirtschaftlichen Betrieb abgefeuert, teilt Gouverneur Oleh Kiper auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Dabei seien Fahrzeuge und Treibstofftanks in Brand geraten.

Polen fordert Platz am Verhandlungstisch

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski kritisiert die Führungsrolle von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg. „Zwischen dem Schwarzen Meer, der Ostsee und der Adria leben 120 Millionen Menschen in der EU, zusammen mit Skandinavien sind es 150 Millionen Menschen, die von Russlands Aggression viel direkter bedroht sind als Deutschland“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wir sind Nachbarn sowohl von Russland als auch der Ukraine, Sie sind das in Deutschland nicht“, sagte er der Zeitung. Polen befinde sich an vorderster Front, führte er aus und verwies auf die durch das Land laufenden Rüstungslieferungen an die Ukraine. Polen trage das Risiko dafür und fordere daher einen Platz am Verhandlungstisch. Er schlug demnach vor, „den Weg über die in den EU-Verträgen festgelegten Institutionen gehen, wie den EU-Ratspräsidenten“. Oder man müsse an einer „Koalition der Willigen“ arbeiten, die den Kontinent bei Verhandlungen vertritt, sagte er der „F.A.S.“.

Die Ukraine entscheidet nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj, wer Europa bei möglichen Verhandlungen mit Russland vertritt. Die europäische Seite werde das Format prüfen und mehrere Optionen vorschlagen, sagte Selenskyj in einem am Sonntagabend veröffentlichten Interview mit ukrainischen Medien. Kiew werde dann die Wahl treffen. „Das ist fair.“