Ausländerfeindliche Proteste in Belfast: Fahrzeuge und Häuser in Brand gesetzt
Proteste in Belfast: Fahrzeuge und Häuser brennen

In Belfast, der Hauptstadt Nordirlands, sind bei ausländerfeindlichen Protesten mehrere Fahrzeuge, darunter ein Bus, sowie Gebäude in Brand gesteckt worden. Die Feuerwehr musste Bewohner aus brennenden Häusern retten. Die Ausschreitungen folgten auf die Verbreitung eines Videos eines Messerangriffs, der einem sudanesischen Migranten zugeschrieben wird.

Maskierter Mob wütet in Belfast

Hunderte Menschen, viele von ihnen maskiert, versammelten sich an verschiedenen Orten in Belfast. Ein Bus und mehrere Autos gingen in Flammen auf, im Fernsehen waren brennende Häuser zu sehen. Ein Anwohner berichtete, dass die Demonstranten gegen 19:30 Uhr Müllcontainer anzündeten. Ein Ingenieur indischer Herkunft, der seit etwas mehr als einem Jahr in Belfast lebt, schilderte: „Wir hörten Polizeiwagen und Sirenen. Immer mehr Menschen kamen und warfen Brandsätze. Plötzlich breitete sich das Feuer aus – wir hatten Rauch im Gebäude.“ Die Feuerwehr brachte alle Bewohner in Sicherheit. Eine Chilenin, die erst vor einem Monat nach Belfast gezogen war, bezeichnete die Situation als „beängstigend“. Britischen Medien zufolge wurde auch ein türkischer Friseursalon attackiert.

Hintergrund: Messerangriff mit sudanesischem Tatverdächtigem

Der Auslöser der Proteste war ein brutaler Messerangriff am Montag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Der mutmaßliche Täter, ein 30-jähriger Sudanese, wurde wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt. Ein im Netz kursierendes Video zeigt, wie der Angreifer mitten auf einer Straße auf seinem blutüberströmten Opfer sitzt und es mit einem Messer traktiert. Mehrere Männer versuchen schließlich, ihn von dem Opfer zu trennen.

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Einflussreiche Rechtsextreme und Elon Musk heizen Stimmung an

Das Video verbreitete sich rasant auf der Plattform X. Der rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson spielte dabei eine zentrale Rolle; sein Post wurde bis Mittwochmorgen 4,8 Millionen Mal angezeigt. Elon Musk, Chef von X und Unterstützer der AfD, kommentierte den Beitrag mit zwei Ausrufezeichen und teilte Fotos des Angriffs sowie Aufrufe zu Demonstrationen mit seinen über 240 Millionen Followern. Zudem verbreitete Musk einen Beitrag des britischen Parlamentariers Rupert Lowe, der zu millionenfachen Abschiebungen aufrief. Der britische „Guardian“ bezeichnete den Vorfall als „Trigger-Event“ der Rechten, das die migrationsfeindliche Szene mobilisiert.

Polizei und Politik reagieren

Die Polizei bat darum, das Video nicht weiterzuverbreiten. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief die Menschen auf, sich nicht von Social Media aufstacheln zu lassen und den Ermittlern ihre Arbeit zu ermöglichen. Es gebe bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat scharf: „Der furchtbare Angriff in Belfast ist widerwärtig. Ich habe absolut keine Toleranz für entsetzliche Szenen der Gewalt wie diese auf unseren Straßen.“ Nordirlands Regierungschefin Michelle O’Neill nannte die Proteste „nichts anderes als widerliche Feigheit“ und betonte: „Rassismus, Einschüchterung und Gewalt sind falsch, wo immer sie auftreten.“ Auch Politiker anderer Parteien warnten vor Ausschreitungen.

Wiederholte rassistische Gewalt in Großbritannien

Großbritannien war bereits im Sommer 2024 von schweren rassistisch motivierten Ausschreitungen erschüttert worden. Erst in der vergangenen Woche kam es in Southampton zu Krawallen, nachdem Bodycam-Aufnahmen einen groben Polizeifehler bei der tödlichen Messerattacke eines Sikh-Mannes auf den Studenten Henry Nowak gezeigt hatten. Die Polizisten hatten dem sterbenden Nowak Handschellen angelegt, statt den Täter festzunehmen. Nowak starb wenig später, nachdem er mehrfach „I can’t breathe“ gerufen hatte. Auch in Southampton gingen Menschen auf die Straße, um gegen Einwanderung zu demonstrieren.

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