Hungerkrise in Myanmar: „Sie müssen Mahlzeiten auslassen oder in den Wäldern nach Gras und Wurzeln suchen“
Myanmar ist seit dem Militärputsch vor fünf Jahren ein fragiles Land. Hohe Energiepreise setzen den Menschen nun zusätzlich zu. Der Leiter des Welternährungsprogramms (WFP) in Yangon warnt vor einer Eskalation der Hungerkrise. Ein Interview von Katrin Kuntz.
Fünf Jahre nach dem Militärputsch in Myanmar hat sich die humanitäre Lage dramatisch verschlechtert. Die Menschen leiden unter einer schweren Hungerkrise, die durch steigende Energiepreise weiter verschärft wird. „Viele Familien müssen Mahlzeiten auslassen oder in den Wäldern nach Gras und Wurzeln suchen, um zu überleben“, berichtet der Leiter des WFP in Yangon. Die Situation sei alarmierend und drohe außer Kontrolle zu geraten.
Mehr als zwölf Millionen Menschen von Hunger bedroht
Nach Angaben des WFP sind in diesem Jahr mehr als zwölf Millionen Menschen in Myanmar von Hunger bedroht. Das ist fast ein Viertel der Bevölkerung. Die wirtschaftlichen Folgen des Putsches, kombiniert mit der globalen Inflation und den hohen Energiepreisen, haben die Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. Viele Menschen können sich nicht mehr ausreichend ernähren.
Besonders betroffen sind ländliche Gebiete, in denen die Infrastruktur zerstört ist und der Zugang zu Hilfsgütern erschwert wird. Die WFP-Mitarbeiter vor Ort berichten von verzweifelten Menschen, die gezwungen sind, ihre Ersparnisse aufzubrauchen oder sich zu verschulden, um Essen zu kaufen. „Die Not ist so groß, dass wir jeden Tag neue Familien sehen, die um Hilfe bitten“, sagt der WFP-Leiter.
Internationale Hilfe dringend benötigt
Das WFP hat seine Hilfslieferungen ausgeweitet, aber die Mittel reichen nicht aus, um alle Bedürftigen zu erreichen. Die Organisation appelliert an die internationale Gemeinschaft, ihre Unterstützung zu verstärken. „Ohne zusätzliche Finanzierung werden wir nicht in der Lage sein, die Millionen von Menschen zu versorgen, die auf uns angewiesen sind“, warnt der Leiter.
Die Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen haben ebenfalls Alarm geschlagen. Sie fordern einen ungehinderten Zugang zu den betroffenen Gebieten und mehr humanitäre Hilfe. Die politische Krise in Myanmar hat die humanitäre Arbeit massiv erschwert, da viele Helfer behindert oder bedroht werden.
Die Hungerkrise in Myanmar ist eine der schwersten weltweit. Sie zeigt, wie politische Instabilität und wirtschaftliche Faktoren zusammenwirken und die Bevölkerung in eine katastrophale Lage treiben können. Die nächsten Monate werden entscheidend sein, um eine weitere Eskalation zu verhindern.



