Heute Nachmittag beginnt die öffentliche Obduktion des Buckelwals „Timmy“ am Strand der dänischen Insel Anholt. Ab 16 Uhr sollen Experten den stark aufgeblähten Kadaver untersuchen. Neben Pressevertretern werden auch viele Schaulustige erwartet. Die Behörden bitten um einen Mindestabstand von 100 Metern, da der Wal durch Fäulnisgase zu explodieren droht.
Hintergrund der Rettungsaktion
Der Buckelwal, der von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt wurde, war zuvor vor der Ostseeinsel Poel gestrandet. Eine private Initiative schleppte ihn unter großer öffentlicher Anteilnahme über die dänische Ostsee in die Nordsee. Nur wenige Tage nach seiner Freilassung wurde der tote Wal vor der dänischen Küste entdeckt.
Obduktionsvorbereitungen
Bereits in den vergangenen Tagen wurden große Container neben dem Tier aufgestellt und der Sandboden geebnet. Ein Reporter von News5 berichtete, dass die Arbeiten um 16 Uhr beginnen und spätestens um 22 Uhr abgeschlossen sein sollen. Die Entnahme von Proben ist auf eine Stunde angesetzt. Der späte Start liegt daran, dass die Fähre, die die Experten zur Insel bringt, erst um 15 Uhr ankommt. Eine Anfrage an das dänische Umweltministerium blieb unbeantwortet.
Risiken und Sicherheitsmaßnahmen
Der durch Faulgase aufgeblähte Kadaver birgt Explosionsgefahr. Eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums erklärte, dass die Gase kontrolliert entweichen sollen, indem ein Schnitt entlang des Rückens oder an der Zunge gemacht wird. Dennoch sollten Zuschauer mindestens 100 Meter Abstand halten, da Fleischbrocken umherfliegen könnten. Zudem besteht Ansteckungsgefahr; die Beteiligten tragen Schutzkleidung.
Politische Verantwortung
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht sein Land nicht in der Verantwortung. Er betonte, die private Initiative habe eine Haftungsfreistellung unterschrieben. Das Land habe die Aktion nur geduldet. Was in den Gewässern Schleswig-Holsteins und Dänemarks passierte, entziehe sich seiner Kenntnis.
Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat dreistellige Vorgänge mit Wal-Bezug. Es liegen Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz vor. Auch Umweltminister Backhaus wurde angezeigt – sowohl wegen Untätigkeit als auch wegen seines Handelns.
Expertenmeinungen zur Todesursache
Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen bezweifelt, dass die Todesursache noch eindeutig geklärt werden kann. Möglicherweise lassen sich innere Blutungen oder Wasser in der Lunge nicht mehr nachweisen. Allerdings könnten Spuren von Fischernetzen im Magen-Darm-Trakt gefunden werden, die zum Tod beigetragen haben könnten.
Tracker-Daten
Der US-Walexperte Jeffrey Foster gab an, dass der GPS-Tracker des Wals nach der Freilassung sechs Tage lang Signale sendete. Der Wal sei mehr als 240 Kilometer gereist und bis zu 150 Meter tief getaucht. Die Daten werden derzeit aus Dänemark abgeholt und sollen ausgewertet werden.
Weiteres Vorgehen
Nach der Obduktion wird der Kadaver zerteilt und in Containern von der Insel gebracht. Anwohner sorgen sich um den Gestank und mögliche Auswirkungen auf den Tourismus. Die Obduktion ist für sechs Stunden angesetzt und wird von Tierärzten, Behördenvertretern und Forschern durchgeführt.



