Der Chef der Baufirma MetroLoft, Nathan Berman, hat die Ursache für die Schieflage des einsturzgefährdeten Wolkenkratzers in New York City bekannt gegeben. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ erklärte er: „Die zusätzliche Last, die wir auf die betreffenden Etagen aufgebracht haben, führte zum Einsturz genau dieser beiden Pfeiler.“ Warum ausgerechnet diese beiden Pfeiler nachgaben, sei noch unklar: „Das wissen wir nicht. Wir untersuchen das gerade.“
Stahlstützen eingeknickt – Stockwerke abgesackt
Am Dienstagmorgen waren tragende Stahlstützen des Hochhauses nahe Chrysler Building und Grand Central Station eingeknickt, mehrere der 38 Etagen abgesackt. Die Feuerwehr gab an, dass zwei Stahlstützen im 21. und 22. Stock nachgaben, wodurch die Stockwerke 21 bis 26 teilweise absackten. Bauarbeiter bemerkten die gefährliche Verformung rechtzeitig und schlugen gegen 8 Uhr Alarm. Durch das schnelle Eingreifen wurde niemand verletzt oder getötet.
Gegenüber der „New York Times“ tat Berman den Vorfall als „nichts weiter als ein typisches Bau-Missgeschick“ ab. Er betonte, dass sich der Schaden auf einen kleinen Teil des Gebäudes beschränke: „Die Bausubstanz von 95 Prozent des Gebäudes ist intakt und sicher … Es ist ausgeschlossen, dass diese Ecke eines kleinen Anbaus das Gebäude plötzlich zum Einsturz bringt.“
Beschwerden über unsichere Zustände
Wie CNN berichtet, gingen beim New Yorker Bauamt in der Vergangenheit mehrere Beschwerden ein. Im April hieß es: „Ich möchte einen unsicheren Gebäudeabriss melden. Aus großer Höhe fällt Schutt herab.“ Inspektoren stellten jedoch keinen herabfallenden Schutt fest. Im Oktober beschwerte sich jemand: „Heute ist ein schwerer Gegenstand herabgefallen, hat fünf Stockwerke durchschlagen und hätte beinahe jemanden getroffen. Ständig fallen Betonstücke von oben herab.“ Auch gasbetriebene Maschinen ohne ausreichende Belüftung wurden bemängelt. Bei allen Überprüfungen stellten die Inspektoren keine Verstöße fest.
Zwei weitere Beschwerden aus dem vergangenen Jahr erwähnten ebenfalls herabfallende Gegenstände, ohne dass Beanstandungen erfolgten. Warum die Behörden trotz wiederholter Beschwerden nichts fanden, bleibt unklar.
Evakuierung und Stabilisierung
Clifford Johnsen von der Baugewerkschaft Steamfitters Local 638 sagte zu CNN: „Die Stahlträger verbiegen sich dort wie Zigaretten. Ich bin seit 21 Jahren im Baugewerbe, und ich habe noch nie einen Träger gesehen, der sich in der Mitte durchbiegt – das ist hochgradig gefährlich.“ Der Pressesprecher der Feuerwehr, Steve Rhine, erklärte gegenüber BILD: „Tausende von Menschen mussten evakuiert werden.“ Vier der neun evakuierten Gebäude in der Nähe des instabilen Hochhauses standen auch am späten Dienstagabend noch unter Evakuierungsanordnungen. Die Stabilisierungsarbeiten dauern laut CNN noch an.



