Der Mount Everest, der höchste Berg der Welt, zieht jährlich Hunderte Abenteurer an. Doch ein aktuelles Video zeigt die Schattenseite dieses Traums: Zelte, Sauerstoffflaschen und Ausrüstung liegen verstreut im Schnee. Die Aufnahme, die die Bergsteigerin Angelina Angelova auf Instagram veröffentlichte, dokumentiert die Zustände im Camp IV auf rund 7925 Metern Höhe. Dieses Lager am Südsattel ist die letzte Station vor dem Gipfelaufstieg in die sogenannte Todeszone oberhalb von 8000 Metern.
Die dunkle Seite des Gipfeltourismus
Der Mount Everest gilt längst als höchstgelegene Müllhalde der Erde. Neben Ausrüstung und Verpackungen liegen dort auch Dutzende Leichen, die aufgrund der extremen Bedingungen oft nicht geborgen werden können. Das auf den Berg spezialisierte Konto „Everest Today“ kommentierte auf X, der Südsattel verwandle sich in einen „Friedhof für Bergsteigerausrüstung“. Das Problem wächst mit dem Andrang: Immer mehr Menschen besteigen den Berg, seit Edmund Hillary und Tenzing Norgay 1953 den ersten erfolgreichen Aufstieg schafften. Was einst eine alpinistische Pioniertat war, ist heute ein lukratives Geschäft. Expeditionsanbieter verlangen enorme Summen für Touren, die Ausrüstung, Sauerstoff, Sherpas und Logistik umfassen.
Rekordandrang und seine Folgen
Laut der „Daily Mail“ erreichten am 20. Mai 274 Menschen an einem einzigen Tag über Nepal den Gipfel – ein neuer Rekord. In diesem Jahr erhielten fast 500 ausländische Bergsteiger eine Genehmigung, ebenfalls ein Höchstwert. Fachleute warnen vor Überfüllung, langen Wartezeiten in großer Höhe und zusätzlichen Sicherheitsrisiken. Je mehr Menschen unterwegs sind, desto mehr Material wird auf den Berg gebracht und bleibt zurück.
Maßnahmen gegen die Vermüllung
Nepal versucht seit Jahren, den Müll zu reduzieren. Die nepalesische Armee führt seit 2019 Aufräumaktionen durch und sammelte zuletzt knapp 120 Tonnen Müll von verschiedenen Bergen ein. Zudem wurden 14 Leichen und mehrere Skelette geborgen. Doch solche Einsätze sind gefährlich: In fast 8000 Metern Höhe kann gutes Wetter binnen Minuten in einen Schneesturm kippen, und der Sauerstoffgehalt liegt nur bei etwa einem Drittel des Normalwerts. Die Bergung von Toten ist besonders riskant und teuer. Der US-Bergsteiger Alan Arnette schätzte die Kosten für die Bergung einer Leiche auf 30.000 bis 70.000 Dollar.
Finanzielle Anreize und Kautionen
Um die Vermüllung einzudämmen, setzt Nepal auch auf finanzielle Anreize. Sherpa-Bergführer erhalten etwa 130 Dollar für jede leere Sauerstoffflasche, die sie vom Berg bringen. Zudem erhöhte Nepal die Genehmigungsgebühr für die Frühjahrssaison ab September 2025 von 11.000 auf 15.000 Dollar. Expeditionsveranstalter müssen von ihren Kunden eine Müllkaution von 4000 Dollar verlangen, die einbehalten werden kann, wenn Abfall zurückgelassen wird. Doch gemessen an den Gesamtkosten einer Expedition – im Durchschnitt rund 61.000 Dollar – ist diese Kaution eher eine Fußnote. Kritiker bemängeln, dass sie nicht abschreckend genug wirkt.
Das Video von Angelova zeigt eindrücklich, dass das Müllproblem am Everest trotz aller Maßnahmen fortbesteht. Der Berg bleibt ein Symbol für den Konflikt zwischen Abenteuerlust und Umweltbewusstsein.



