El Niño 2027: Droht das heißeste Jahr der Geschichte?
El Niño 2027: Droht das heißeste Jahr?

Die ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen im tropischen Pazifik deuten seit Monaten auf ein neues El-Niño-Ereignis hin. Nun ist es praktisch Gewissheit: Das regelmäßig wiederkehrende Phänomen El Niño kündigt sich an und könnte das Jahr 2027 zum heißesten Jahr der Geschichte machen. Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf bestätigte, dass die Oberflächentemperatur an der Pazifikküste Südamerikas zwischen Ende April und Mitte Mai auf das Niveau typischer El-Niño-Jahre gestiegen ist. Zudem strömt ungewöhnlich warmes Wasser aus tieferen Ozeanschichten nach oben, dessen Temperatur teils sechs Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegt.

Auswirkungen auf das globale Klima

Durch El Niño könnte sich der gesamte Planet über komplexe Wechselwirkungen zusätzlich aufheizen. Mit dem Phänomen verbinden sich Sorgen vor mehr Extremwetterereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und einer möglicherweise rekordbrechenden globalen Durchschnittstemperatur. UNO-Generalsekretär António Guterres warnte in einer Videobotschaft: „El-Niño-Bedingungen gießen Öl in das Feuer der globalen Erwärmung. Die Folgen werden noch heftiger und sich noch weiter ausbreiten.“

Wahrscheinlichkeit und Dauer

Die Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Beginns zwischen Juni und August liegt bei 80 Prozent, für eine Dauer bis mindestens November bei rund 90 Prozent. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo erklärte: „Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird.“ Zuletzt trat das natürliche Phänomen 2023/24 auf, das zu den fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen 1950 zählte. Es trug dazu bei, dass 2024 das bisher heißeste Jahr seit der Industrialisierung (1850–1900) war.

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Spekulationen über einen Super-El-Niño

In der Forschungsgemeinschaft wird über einen Super-El-Niño spekuliert – ein besonders starkes Ereignis. Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel schätzt die Chancen dafür auf 50 zu 50: „Es kann sein, kann aber auch nicht sein.“ Die Entwicklung hängt entscheidend von schwer vorhersagbaren Windschwankungen ab.

Folgen für Mitteleuropa

Für Mitteleuropa sind die direkten Auswirkungen eher gering, erklärt Daniela Domeisen von der ETH Zürich. „Das erklärt sich vor allem daraus, dass Europa sehr weit weg liegt vom tropischen Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört.“ Wenn überhaupt, sei eher mit kälterem und nasserem Wetter als üblich zu rechnen. Armin Bunde, Emeritus von der Universität Gießen, verweist auf indirekte Folgen: „So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen.“

Zusammenhang mit dem Klimawandel

Zur Frage, ob der Klimawandel El Niños verstärkt, gibt es bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, betont die WMO. El Niños dauern meist neun bis zwölf Monate, erreichen ihren Höhepunkt zwischen November und Februar und treten alle zwei bis sieben Jahre auf. Seit dem letzten El Niño 2023/24 sind erst zwei Jahre vergangen, der Abstand zum vorherigen betrug sieben Jahre (2015/16).

Rekordtemperaturen in Sicht

Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre 2026 bis 2030 eine noch höhere globale Durchschnittstemperatur aufweist als 2024, liegt nach einem aktuellen WMO-Bericht bei 86 Prozent. Wegen des El Niños könnte dies bereits 2027 der Fall sein. 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Das im Pariser Klimaabkommen 2015 festgelegte Ziel, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, gilt nach bisher verbreiteter Definition als gerissen, wenn die Durchschnittstemperatur in einem 20-Jahres-Mittel darüber liegt.

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Vorbereitung auf die Folgen

Die WMO empfiehlt Regierungen und humanitären Organisationen, sich auf Folgen für Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energie- und Wasserwirtschaft einzustellen. Sie sollten Pläne für die Nahrungsmittelsicherheit und die Belastung des Gesundheitswesens ausarbeiten. „Frühzeitige saisonale Vorhersagen und Frühwarnungen sind entscheidend, um Leben zu retten und die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unsere Gemeinden abzufedern“, so WMO-Chefin Celeste Saulo.