Deepfake-Missbrauch von Kindern in Hessen: Behörden schlagen Alarm
Deepfake-Missbrauch von Kindern: Hessen reagiert

In Hessen steigt die Zahl der durch künstliche Intelligenz erstellten sexualisierten Darstellungen von Kindern rasant an. Die Strafverfolgungsbehörden verzeichnen eine besorgniserregende Zunahme solcher Deepfake-Inhalte. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) warnte vor den Gefahren dieser Entwicklung und kündigte verstärkte Gegenmaßnahmen an.

Kriminelle nutzen öffentliche Fotos für Missbrauch

„Kriminelle missbrauchen öffentlich zugängliche Fotos zunehmend, um mithilfe künstlicher Intelligenz manipulierte und sexualisierte Inhalte zu erzeugen“, erklärte Poseck. Diese Aufnahmen würden Kinder nicht nur digital bloßstellen, sondern könnten auch der Ausgangspunkt für weitere Straftaten sein. Um dem entgegenzuwirken, baut das Land Hessen seine Bekämpfungsstrukturen aus. Seit dem 1. April bündelt eine zentrale Ansprechstelle beim Landeskriminalamt alle Erkenntnisse in einem landesweiten Lagebild.

Ausbau der Fachkompetenzen und moderner Analyseinstrumente

Parallel dazu werden die Fachkompetenzen im Umgang mit Deepfakes weiter gestärkt. Moderne Analyseinstrumente werden geprüft, und sowohl die Prävention als auch der Opferschutz werden konsequent ausgebaut. Die spezialisierte Einheit FOKUS (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch von Kindern) verfügt mittlerweile über mehr als 300 Mitarbeiter.

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Appell an Eltern: Bilder nicht unbedacht teilen

Poseck appellierte eindringlich an Eltern, sensibel mit der Privatsphäre ihrer Kinder umzugehen. „Wer persönliche Bilder nicht unbedacht öffentlich teilt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern vor digitalem Missbrauch“, sagte er. Öffentliche Posts sollten bestenfalls vermieden werden, um Missbrauch von vornherein zu unterbinden.

Justizminister fordert IP-Adressenspeicherung

Justizminister Christian Heinz (CDU) betonte die konsequente Verfolgung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) arbeite eng mit dem Bundeskriminalamt zusammen und bearbeite massenhafte Hinweise. „In den vergangenen Jahren sind so jährlich etwa 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise bearbeitet worden“, so Heinz.

Künstlich generierte Darstellungen des sexuellen Kindesmissbrauchs würden leider immer besser und einfacher zu erstellen sein. „Auf dieses perfide Phänomen muss der Rechtsstaat Antworten finden, damit wir Kinder noch besser vor sexualisierter Gewalt im Internet schützen können“, forderte Heinz. Dafür müssten die Ermittlungsbehörden auf Augenhöhe mit der Internetkriminalität agieren können.

Ein Beispiel verdeutliche die Dringlichkeit: Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres mussten über 10.700 Hinweise auf Kinder- und Jugendpornografie wegen fehlender IP-Adressenspeicherung eingestellt werden, weil keine weiteren erfolgversprechenden Ermittlungsansätze vorlagen. „Das ist schon jetzt ein tragischer Rekordwert, der einmal mehr zeigt: Die IP-Adressdatenspeicherung muss jetzt endlich kommen“, so Heinz.

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