Mit modernen Gentechnikverfahren veränderte Lebensmittel dürfen in der Europäischen Union künftig ohne spezielle Kennzeichnung in den Supermarktregalen landen. Das Europäische Parlament hat mit großer Mehrheit dafür gestimmt, entsprechende Züchtungen in vielen Fällen von den bisher strengen EU-Gentechnikregeln auszunehmen. Die Änderungen sind bereits von den EU-Staaten bestätigt worden und sollen voraussichtlich ab Mitte 2028 in Kraft treten.
Hintergrund der Entscheidung
Die neuen Regelungen betreffen sogenannte neue Züchtungstechniken wie die Gen-Schere CRISPR/Cas, mit denen gezielt einzelne Gene verändert werden können. Bislang unterlagen diese Verfahren den strengen Auflagen der EU-Gentechnikrichtlinie, die unter anderem eine Kennzeichnungspflicht und umfangreiche Risikoprüfungen vorsah. Künftig sollen solche Produkte als gleichwertig mit konventionell gezüchteten Pflanzen angesehen werden, sofern die Veränderungen auch auf natürlichem Wege oder durch herkömmliche Kreuzungen hätten entstehen können.
Reaktionen und Kritik
Befürworter der Lockerung argumentieren, dass die neuen Verfahren präziser und sicherer seien als ältere Methoden der Gentechnik. Sie versprechen sich davon eine schnellere Entwicklung resistenterer Pflanzen und eine Reduzierung des Pestizideinsatzes. Kritiker hingegen warnen vor unerforschten Risiken für Umwelt und Gesundheit. Verbraucherschützer bemängeln, dass die fehlende Kennzeichnung die Wahlfreiheit der Konsumenten einschränke. Auch Umweltorganisationen lehnen die Entscheidung ab und fordern eine strengere Regulierung.
Auswirkungen für Verbraucher
Für Verbraucher bedeutet die Neuregelung, dass sie künftig nicht mehr eindeutig erkennen können, ob ein Produkt mit Hilfe moderner Gentechnik hergestellt wurde. Eine Kennzeichnungspflicht besteht nur noch für Produkte, die mit älteren gentechnischen Methoden verändert wurden. Die EU-Kommission will jedoch eine Liste der zugelassenen Verfahren veröffentlichen, um Transparenz zu schaffen. Die Umsetzung der neuen Regeln wird für Mitte 2028 erwartet, sodass die Industrie Zeit hat, sich darauf einzustellen.



