Nato-Gipfel in Ankara: Augen zu und durch bei Erdogan
Nato-Gipfel in Ankara: Augen zu und durch bei Erdogan

Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen am Dienstag und Mittwoch in Ankara zusammen – Gastgeber ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Ein Staatslenker, der die Freiheit, die Grundsätze der Demokratie und die Herrschaft des Rechts regelmäßig mit Füßen tritt. In Erdogans Türkei werden Oppositionspolitiker kurzerhand eingesperrt oder vor Gericht gestellt, etliche Intellektuelle und Kulturschaffende sind im Exil. Auch jetzt rund um den Gipfel greift Erdogan durch: Hunderte Personen wurden festgenommen. Demonstrationen sind in Ankara untersagt, regierungskritische Journalisten erhielten keine Akkreditierung für den Gipfel.

Widerspruch zu den Nato-Grundwerten

Die Nato bekennt sich in der Präambel des Nordatlantik-Vertrags von 1949 zur Freiheit, zu den Grundsätzen der Demokratie und zur Herrschaft des Rechts. Wie passt das mit den Zuständen in der Türkei zusammen? Die Antwort ist unbefriedigend: Es passt gar nicht zusammen. Aber die Türkei ist aufgrund ihrer Größe, ihrer geografischen Lage und der Schlagkraft ihrer Streitkräfte einfach zu wichtig, um sie zu belehren oder gar auszugrenzen. Das war auch in der Vergangenheit so, als das türkische Militär mehrfach zivile Regierungen wegputschte.

Trump bewundert mächtige Männer

Vom wichtigsten Nato-Mitglied, den USA, hat Erdogan schon gar nichts zu befürchten. US-Präsident Donald Trump bewundert mächtige Männer – ganz egal, worauf sich deren Macht gründet. Und so bleibt den anderen Verbündeten nichts anderes übrig, als mit den Türken zu arbeiten und sie so gut wie möglich einzubinden. Das ist häufig schmerzhaft. Aber trotzdem im eigenen Interesse.

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Ein Kommentar von Thorsten Knuf, Brüssel-Korrespondent der Funke Mediengruppe.

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