Xi besucht Kim: Treffen der Autokraten in Pjöngjang
Xi besucht Kim: Treffen der Autokraten in Pjöngjang

Besuch beim kleinen Bruder in Pjöngjang

Heute kommt es zu einem seltenen Aufeinandertreffen, das im Westen für nervöse Aufmerksamkeit sorgen dürfte: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping reist für zwei Tage nach Nordkorea, um Machthaber Kim Jong Un zu besuchen. Anlass ist der 65. Jahrestag des chinesisch-nordkoreanischen Freundschaftsvertrags. Es ist der erste Besuch des Chinesen seit 2019 in dem international weitgehend isolierten Land.

Damals wie heute ist es vor allem für den Nordkoreaner eine willkommene Gelegenheit, sich mit dem mächtigen Bruder aus China auf großer Bühne zu präsentieren. Oft hat er dazu nicht Gelegenheit. Zuletzt hatte Xi in Peking großen Besuch empfangen: erst US-Präsident Donald Trump und wenige Tage später Russlands Machthaber Wladimir Putin.

Ein Treffen gleichwertiger Partner ist der Termin heute allerdings nicht, auch wenn in Pjöngjang die Vertreter zweier Atommächte zusammenkommen. Nordkorea hängt wirtschaftlich am chinesischen Tropf – ein Großteil des nordkoreanischen Exports geht nach China, so unsere Peking-Korrespondentin Maria Stöhr. Die Abhängigkeit dürfte Peking sehr gut gefallen, das seinen kleineren Nachbarn als Pflegefall in der Nachbarschaft und als Pufferstaat gegen US-Truppen in Südkorea sieht. Was Peking nicht gefallen dürfte: Dass Kim zuletzt seine Abhängigkeit diversifizierte und neue Partner suchte. Nordkorea versorgt Russland sowohl mit Munition als auch mit Soldaten in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Xi dürfte Kim klarmachen, wer hier die echten Buddys sind“, sagt Maria.

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Anlagen zerstört – Uran nicht

Es klingt zunächst wie ein extrem trockener Termin in der Vorschau: „Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beginnt Sommersitzung“ – aber die Themenliste der Behörde, die einerseits die friedliche Nutzung der Kernenergie fördern und andererseits überwachen soll, dass Nuklearmaterial nicht für militärische Zwecke abgezweigt wird, dürfte es in sich haben.

Die Sicherheit des Kernkraftwerks Saporischschja in der umkämpften Ukraine dürfte den IAEA-Experten ebenso Kopfschmerzen bereiten wie die Atom-Ambitionen Irans, inklusive des genauen Standorts und Schicksals von rund 400 Kilogramm angereicherten Urans. Das Streben des Teheraner Regimes nach der Bombe, so sind sich viele Beobachter einig, dürfte mit dem von USA und Israel angefangenen Krieg eher zu- als abgenommen haben. Kurze Erinnerung: Im sogenannten Zwölftagekrieg, den gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffen im Sommer 2025, wurden Irans Atomanlagen in Fordo, Natans und Isfahan wohl weitgehend zerstört. Aber das hoch angereicherte Uran nicht. Die Experten gehen offenbar davon aus, dass sich der Großteil des Materials in den unterirdischen Tunnelanlagen der Nuklearstandorte befindet. US-Atomexperte David Albright sprach zuletzt davon, dass es verstreut sei und nahezu unmöglich zu bergen: „Das Material ist so verteilt, dass ein einzelner Angriff es weder sicherstellen noch zerstören könnte – zumindest nicht ohne massive Kollateralschäden.“ Nachgucken können die IAEA-Inspektoren derzeit nicht. Auch das ist eine Konsequenz des Krieges, der, wie das Wochenende gezeigt hat, weitergeht. Iran ist nach wie vor in der Lage und gewillt, Israel und seine Nachbarn am Golf anzugreifen. Seit dem Zwölftagekrieg hat Iran die Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Behörde ausgesetzt.

Durchs blaue Land

Zum Wochenbeginn möchte ich Ihnen einen Artikel ans Herz legen, über den ich nach dem Lesen noch lange nachgedacht habe: SPIEGEL-Autor Jochen-Martin Gutsch wiederholt darin eine Reise durch Ostdeutschland, die er bereits 2017 gemacht hat. Er sollte den Gründen für den damaligen Erfolg der AfD nachspüren.

Heute ist die in Teilen rechtsextreme Partei noch viel erfolgreicher. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt könnte sie stärkste Kraft werden und mit Ulrich Siegmund den Ministerpräsidenten stellen. Gutsch hört ihn reden. Er wolle „sein“ schönes, altes, sicheres Deutschland zurück. Der Mann ist 35.

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Vor allem eine Beobachtung von Gutsch lässt mich nicht los: Er beobachtet, wie Leute bei einer Veranstaltung von Siegmund ganz „unbekümmert und stolz“ Selfies mit ihm machen. „Und in diesem Selfiemoment, so fühlt es sich an, ist plötzlich alles drin: die ganze Normalisierung. Die Akzeptanz. Die Verbrüderung“, schreibt er. Dabei scheint vieles nicht normal in dieser Partei, in der sich viele einen Namen durch ihre Ranschmeiße an den russischen Machthaber Wladimir Putin gemacht haben – unter anderem. Es geht aber noch radikaler, wenn man auf die Wahl des Oberbürgermeisters in der Kleinstadt Aue-Bad Schlema in der Nähe von Chemnitz schaut. Da gewann der Kandidat der CDU hauchdünn vor dem der als verfassungsfeindlich eingestuften „Freien Sachen“ – einem Ex-NPD-Funktionär.

Wie konnte es zu all dem kommen? Gutsch reist durch das Land und findet vor: Ratlosigkeit, Wut, Gegenwut und ihre Profiteure, ein abhandengekommenes Vertrauen in den Staat. Was er kaum findet: die anderen Parteien.

Mitarbeiter des Monats

…ist US-Außenminister Marco Rubio. Zumindest – so viel Unterstellung sei hier erlaubt – in den Augen seines Chefs Donald Trump. So viel Aufopferung ist selten. Man müsste wahrscheinlich schon von Selbstverleugnung sprechen.

Vor wenigen Tagen musste der Minister Fragen von Abgeordneten zur Regierungsarbeit beantworten und wurde auch danach gefragt, ob er mehr als einmal mitbekommen habe, dass Trump während wichtiger Sitzungen eingeschlafen sei. Rubio war empört: „Das ist falsch!“ Das Problem sei ja, dass „dieser Kerl nicht schläft, sondern mich um zwei Uhr nachts anruft!“ Ein anschließend eingespieltes Video zeichnete ein anderes Bild – Trump mit geschlossenen Augen, während Rubio über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine referiert. Insofern war die Lage für Rubio durchaus vertrackt. Er konnte ja schlecht sagen: Jepp, ich habe den Chef in den Sekundenschlaf gelangweilt. Er hätte es aber auch wie Trump machen können, der zuletzt sagte: Er habe gar nicht geschlafen, sondern nur seine Augen schonen wollen.