Taucher filmt erstmals Weißen Hai im Mittelmeer
Weißer Hai im Mittelmeer gefilmt

Einem Taucher ist es erstmals gelungen, Aufnahmen eines Weißen Hais im Mittelmeer zu machen. Die Begegnung kam völlig unerwartet.

Seltene Begegnung in der Straße von Sizilien

Bei einem Taucheinsatz im zentralen Mittelmeer haben Umweltschützer erstmals Unterwasseraufnahmen eines ausgewachsenen Weißen Hais in seinem natürlichen Lebensraum gemacht. Die Begegnung ereignete sich zwischen Sizilien und Tunesien in der Straße von Sizilien, einem artenreichen Meeresgebiet im Herzen des Mittelmeers.

Der Weiße Hai: Ein seltener Räuber

Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) gilt als größter räuberischer Knochenfisch der Erde. Ausgewachsene Tiere können mehr als sechs Meter lang werden und über zwei Tonnen wiegen. Weltweit ist die Art vor allem aus den Küstengewässern Südafrikas, Australiens, Kaliforniens und Mexikos bekannt. Im Mittelmeer kommt der Weiße Hai zwar seit Jahrhunderten vor, Sichtungen sind jedoch äußerst selten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Population in der Region in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen ist.

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Mission zur Bergung von Geisternetzen

Die Sichtung erfolgte während einer Mission zur Bergung sogenannter Geisternetze. Ziel des Einsatzes war die Entfernung verloren gegangener Fischernetze von einem Schiffswrack, das als künstliches Riff zahlreichen Meeresbewohnern Lebensraum bietet. Die Aufnahmen entstanden im Rahmen einer Expedition der Stiftung Healthy Seas gemeinsam mit den Partnerorganisationen Ghost Diving und SDSS (Society for Documentation of Submerged Sites).

Nach Angaben der beteiligten Organisationen handelt es sich um die ersten bekannten Unterwasseraufnahmen eines erwachsenen Weißen Hais im Mittelmeer. Vereinzelte Sichtungen an der Wasseroberfläche seien zwar dokumentiert worden, filmische Aufnahmen eines frei schwimmenden erwachsenen Tieres durch Taucher habe es bislang jedoch nicht gegeben.

Taucher: „Statistisch ist es wahrscheinlicher, den Jackpot im Lotto zu gewinnen“

Die Aufnahmen wurden von dem Taucher Derk Remmers gemacht. Die Begegnung sei völlig unerwartet erfolgt. „Statistisch ist es wahrscheinlicher, den Jackpot im Lotto zu gewinnen, als einem Weißen Hai unter Wasser zu begegnen“, scherzte Remmers.

Das betroffene Gebiet in der Straße von Sizilien gilt als Hotspot der Biodiversität, zählt jedoch gleichzeitig zu den am intensivsten befischten Regionen des Mittelmeers. In zurückgelassenen Fischernetzen verfangen sich regelmäßig Meeresschildkröten, größere Fische und andere Meeresbewohner.

Wissenschaftlicher Wert der Sichtung

Der italienische Meeresbiologe Carlo Cattano bezeichnete die Beobachtung als wissenschaftlich besonders wertvoll. Die meisten Erkenntnisse über Weiße Haie im Mittelmeer stammten bislang aus Beifängen der Fischerei oder von tot aufgefundenen Tieren. Solche Sichtungen könnten helfen, die Verbreitung und das Verhalten der stark bedrohten Art besser zu verstehen.

Nach Angaben von Forschern wird das Überleben der Mittelmeer-Population der Haie vor allem durch Überfischung, unbeabsichtigte Fänge und den Verlust geeigneter Lebensräume gefährdet. Schiffswracks könnten als künstliche Riffe eine wichtige Rolle für marine Artenvielfalt spielen, so die beteiligten Forscher. Gleichzeitig könnten sich verloren gegangene Fischernetze dort ansammeln und die Ökosysteme erheblich schädigen.

Zusätzlich wurden im Rahmen der Mission Umwelt-DNA-Proben und weitere Unterwasseranalysen genommen. Die Auswertung der Daten soll in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.

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