Im Capital Club am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte sind derzeit Pop-Art-Werke des Pekinger Künstlers Shen Jingdong zu sehen. Die Unternehmerin Yu Zhang lud im Businessclub zu einem Kunstfrühstück unter dem Motto „The Color of Smiles“. Jingdong ist ein beliebter zeitgenössischer Künstler in Asien, der sich besonders in Hongkong gut verkauft.
Leichtigkeit im Capital Club
Zhang wollte nach eigenen Worten „Leichtigkeit in den Capital Club bringen“. Mit Kunst handele sie nicht. „Ich habe den Künstler im Mai in seinem Atelier bei Peking besucht und finde es spannend, wie er kulturelle Grenzen auflöst“, so die Unternehmerin. Hinter den vordergründig niedlichen Gemälden beschäftige sich Jingdong mit der Frage: „Was ist Macht?“ Offene Gesellschaftskritik äußere er dabei nicht. Doch je länger man die Bilder betrachte, desto mehr entdecke man.
Subtiler Hinweis auf Zensur?
In Shen Jingdongs Werk „Lesen“ aus dem Jahr 2017 ist eine Figur mit verbundenem Kopf beim Studieren eines roten Buches zu sehen. Dies könnte als subtiler Hinweis auf Zensur in China interpretiert werden.
Merkel-Porträt und persönliche Begegnung
Unter den Gästen ist auch die Berliner Unternehmerin Katharina Erdem. Das Merkel-Porträt gefällt ihr sehr gut, denn: „Ich habe Frau Merkel 2014 getroffen, bevor ich den Sprung in die Wirtschaft gemacht habe. Damals habe ich als Model viele Titel abgeräumt. In Hamburg traf ich Angela Merkel hinter den Kulissen im Hyatt. Sie hat mir die Hand gedrückt und gesagt: Wir brauchen mehr Führerinnen, mehr erfolgreiche Frauen. Das werde ich nie vergessen. Eine wie sie fehlt jetzt.“
Warum die Verniedlichung von Mächtigen?
Erdem betrachtet die Porträts von Jingdong mit Verständnis: „Ich bewege mich in vielen Gesellschaftsschichten. Meine Erfahrung: Die größten Menschen mit den höchsten Positionen, die ich kenne, sind im Privatleben oft die zerbrechlichsten.“
Chinesische Perspektive auf Macht und Deutschland
Hong Shen Roskoden lebt seit über 30 Jahren in Berlin. Die Chinesin, die in Shanghai aufgewachsen ist, betrachtet die Bilder interessiert. „China ist kein freies Land. Doch wer dort aufgewachsen ist, blickt anders auf die dortigen Machthaber. Niemand würde schlecht über Mao oder Xi Jinping sprechen. Es ist nicht einfach, so ein großes Land zu führen.“ Xi Jinping, der soeben Kim Jong-un in Nordkorea besucht, habe sich bewährt.
Wie blicken Chinesen auf Deutschland? „Deutschland wird noch immer als zuverlässiger Partner geschätzt. Auch deutsche Technologien genießen ein hohes Ansehen.“
Deutschlandbild in China
Yu Zhang bestätigt das positive Deutschlandbild: „Made in Germany ist noch immer ein Vorzug in China. Deutschland hat noch immer einen guten Ruf durch Zuverlässigkeit und meisterhafte Präzision.“ Deutsche Autos wie Porsche, Maybach, Bentley seien Statussymbole. Sie selbst fahre einen Porsche Taycan. Doch chinesische E-Autos könnten bereits 1000 Kilometer zurücklegen und seien billiger. Zudem würden sie in Farben wie Mintgrün oder Pink angeboten.



