Der chinesische Automarkt steckt tief in der Krise. Im Mai brach der Absatz verglichen mit dem Vorjahr um 22,3 Prozent ein, wie aus Daten des chinesischen Branchenverbandes CPCA vom Montag hervorgeht. Es war damit der achte Monat in Folge mit einem Minus. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband nun mit einem Absatzrückgang von elf Prozent. Bislang hatte der CPCA lediglich einen Rückgang von einem Prozent vorhergesagt.
Gründe für den Einbruch
Der wichtigste Grund für den Einbruch sei die wegbrechende Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen angesichts der hohen Ölpreise seit Ausbruch des Iran-Kriegs, sagte CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu. Allerdings läuft auch das Geschäft mit Elektroautos schlechter. Ihr Absatz ging um 7,5 Prozent zurück, das ist das fünfte Minus in Folge.
Auswirkungen auf die Wirtschaft
Für die Regierung in Peking kommt die Schwäche auf dem Automarkt zur Unzeit. Sie strebt für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,5 bis fünf Prozent an. Der Automarkt leidet nach Einschätzung von Analysten jedoch unter einem gesunkenen Verbrauchervertrauen und dem Wegfall einiger Elektroauto-Subventionen.
„China ist schon jetzt mit 23 bis 25 Millionen verkauften Fahrzeugen der weltweit größte Automarkt“, sagte Eugene Hsiao, bei der Investmentbank Macquarie zuständig für chinesische Aktien. Viele Haushalte hätten bereits ein eigenes Auto. „Das bedeutet, dass der Automarkt schon vergleichsweise reif ist.“ Für die kommenden fünf bis zehn Jahre erwarte er nur Zuwächse im einstelligen Prozentbereich, auch wenn einige Elektroautohersteller stärkeres Wachstum schaffen könnten.
Die Prognose für 2026 wurde nun drastisch gesenkt. Statt einem leichten Minus rechnet die Industrie nun mit einem deutlichen Rückgang. Die Krise auf dem chinesischen Automarkt könnte sich weiter verschärfen, falls die Ölpreise hoch bleiben und das Verbrauchervertrauen nicht zurückkehrt.



