Nur wenige Kilometer von der polnischen Millionenstadt Warschau entfernt wartet ein Fluss, der wirkt wie aus einer anderen Welt. Der Świder schlängelt sich durch dichte Natur. Wer hier ins Kajak steigt, erlebt auf wenigen Kilometern eine Tour zwischen Urwald-Gefühl, glasklarem Wasser und jeder Menge Muskelarbeit. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann hat das selbst erlebt.
Archaische Landschaft und Stille
Schon die ersten Paddelschläge führten hinein in eine Landschaft, die fast archaisch wirkte. Riesige umgestürzte Bäume ragten ins Wasser. Sonnenstrahlen fielen durch den lichten Kiefernwald. Farne säumten die Ufer, weiß blühender Holunder verströmte seinen Duft. Hoch oben rief ein Kuckuck. Ansonsten herrschte Stille.
Strömung trägt Kajaks durch die Wildnis
Viel paddeln mussten wir zunächst gar nicht. Die kräftige Strömung trug unsere Boote mühelos flussabwärts. Es fühlte sich an, als würden wir lautlos über das Wasser gleiten. Die Gedanken schweiften ab, der Puls wurde ruhiger.
Doch plötzlich war Schluss. Ein schabendes Geräusch. Ein heftiger Ruck. Unser Kajak saß auf einem Kiesbett fest. Wegen unseres Gewichts ließ sich das Boot nicht mehr lösen. Also hieß es aussteigen, sich mühsam aus dem Kajak schälen und den Kahn durch das Wasser ziehen.
Kraftraubende Abschnitte und erfrischende Pausen
Die Hartplastik-Kajaks waren zwar ohne Besatzung nicht besonders schwer. Trotzdem kostete das Schleppen Kraft. Auf manchen Abschnitten verbrachten wir mehr Zeit neben den Booten als darin. Zwischendurch sorgten kleine Buchten für willkommene Pausen. Immer wieder hielten wir an und sprangen ins Wasser. Über uns schwirrten unzählige Blauflügel-Prachtlibellen. Sie gelten als Zeichen für eine hervorragende Fließgewässerqualität und kommen nur in besonders sauberen und unberührten Lebensräumen vor.
Ein Tag zwischen Gleiten, Schieben und Zerren
Den Świder kann man auf einer Länge von rund 20 Kilometern befahren. Unsere Tour war mit fünf Kilometern deutlich kürzer. Nach drei statt der vorgesehenen zwei Stunden erreichten wir schließlich unser Ziel – erschöpft und glücklich. Gleiten, schieben, zerren, stoßen: Es war ein unvergesslicher Tag auf Polens Dschungel-Fluss. Wir kommen irgendwann gerne wieder – für die volle Strecke.



