Das Fernsehjahr 2026 hat bereits eine Reihe von Serienhits hervorgebracht, über die Millionen weltweit sprechen. Dazu gehören „Off Campus“, „Heated Rivalry“ und „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“. Ob die Hypes genauso groß sind wie in den Vorjahren – etwa bei „Adolescence“ oder „Pluribus“ (2025), „Rentierbaby“ (2024), „Succession“ (2023), „Severance“ oder „Wednesday“ (2022) – bleibt Ansichtssache.
Viele amerikanische und britische Medien wie die „New York Times“ oder der „Guardian“ ziehen zur Jahresmitte eine Halbjahresbilanz. Diesem Vorbild folgt nun auch diese Auswahl von 13 erfreulichen TV-Überraschungen und soliden Staffeln etablierter Serien – alphabetisch geordnet.
„Bait“: Riz Ahmeds satirischer Blick auf die Unterhaltungsbranche
„Bait“ (Prime Video; 6 Folgen seit 25. März) ist eine Satire aus der Perspektive eines aufstrebenden Schauspielers, der für die Rolle des nächsten James Bond vorspricht. Riz Ahmed liefert ein Kunstwerk, mit dem sich der hauseigene Streamer Prime Video über die zögerliche Suche der Amazon MGM Studios nach dem Bond-Nachfolger von Daniel Craig lustig macht.
„Beef“ Staffel 2: Carey Mulligan und Oscar Isaac im Reich-gegen-Arm-Drama
Die zweite Staffel von „Beef“ (Netflix; alle 8 Episoden seit 16. April) zeigt Carey Mulligan und Oscar Isaac als unglückliches Paar, das einen Country-Club betreibt und erpresst wird. Obwohl das Genre des Reich-gegen-Arm-Dramas schon öfter und besser zu sehen war, wurde die Staffel von vielen geliebt. Die erste Staffel von 2023 mit Steven Yeun und Ali Wong bleibe aber unerreicht, so der Tenor.
„Half Man“: Richard Gadds schonungsloses Männerdrama
Richard Gadd („Rentierbaby“) hat mit „Half Man“ (HBO Max; alle 6 Episoden bis 29. Mai) erneut ein schonungsloses Drama vorgelegt. Die Serie setzt sich mit dem Schaden auseinander, den Männer einander zufügen. Der Sechsteiler beginnt in der Gegenwart: Zwei Männer umkreisen einander in einer dunklen Scheune – Niall (Jamie Bell) in schottischer Hochzeitsmontur, Ruben (Gadd) mit freiem Oberkörper und bandagierten Händen. Anschließend geht es mehr als 30 Jahre zurück, um die gemeinsame Geschichte zu rekonstruieren. Der sanftmütige Niall bekommt den „irren“ Ruben als eine Art älteren Bruder ins Zimmer gesetzt, der soeben aus dem Jugendknast entlassen wurde – wegen einer abgebissenen Nase. Eine brutale, wahnsinnige Story.
„Heated Rivalry“: Schwule Eishockey-Romanze begeistert weltweit
Die Hockey-Romanze „Heated Rivalry“ (HBO Max; alle 6 Folgen bis 13. März) löste hetero- und homosexuelle Begeisterungsstürme aus. Basierend auf den Romanen von Rachel Reid wird die Geschichte der Profi-Eishockeyspieler Ilya und Shane erzählt, die vorgeben, einander zu hassen, sich aber heimlich zu Sexdates treffen und sich schließlich verlieben. Ein bewegender Monolog auf Russisch von Ilya (Connor Storrie) und glückliche Tage im Haus am See gehören zu den Höhepunkten.
„Kacken an der Havel“: Deutsche Comedy mit Veronica Ferres
Die kreativ bekloppte deutsche Comedy-Serie „Kacken an der Havel“ (Netflix; 9 Folgen seit 26. Februar) von Dimitrij und Alex Schaad handelt vom erfolglosen Rapper Toni Fleischer (Anton „Fatoni“ Schneider). Nach dem Tod seiner Mutter kehrt er in seine fiktive ostdeutsche Heimatstadt mit dem unvorteilhaften Namen zurück, zu seiner absurden Familie und einem verrückten Freundeskreis. Veronica Ferres spielt eine böse Bürgermeisterin namens Veronica Ferres.
„Lord of the Flies“: Frische BBC-Adaption des Klassikers
Die vierteilige BBC-Miniserie „Lord of the Flies“ (Sky/Wow; alle 4 Folgen bis 3. März) begeisterte die Kritik. Die Adaption von William Goldings Roman über gestrandete Jungs passt bestens ins Jahr 2026, in dem viel über Männlichkeit, die „Manosphere“ und die Zerbrechlichkeit von Demokratie diskutiert wird.
„Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“: Ryan Murphys Anthologie
Die erste Staffel der Anthologie-Serie von Ryan Murphy (Disney+; alle 9 Episoden bis 27. März) widmet sich der Beziehung zwischen John F. Kennedy Jr. (Paul Kelly) und Carolyn Bessette (Sarah Pidgeon). Das Paar heiratete 1996 und kam drei Jahre später bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Serie löste Kennedy-Nostalgie und einen 90er-Jahre-Style-Hype aus.
„My Ex“: Palina Rojinski auf Schatzsuche in der Vergangenheit
In der ZDFneo-RomCom „My Ex“ (ZDF; 6 Folgen seit 27. April) sucht Interior-Designerin Ivy (Palina Rojinski) ihren Traummann nicht online, sondern in einer alten Erinnerungskiste. Ein Orakel verrät, dass sich unter ihren Ex-Beziehungen die große Liebe versteckt. Problem: Sie hat nur drei Monate Zeit, sonst bleibt sie für immer einsam.
„Off Campus“: College-Romanze mit neuen Weltstars
„Off Campus“ (Prime Video; alle 8 Episoden seit 13. Mai) erzählt von einer unerwarteten Romanze zwischen einer Musikstudentin und einem Star-Eishockeyspieler. Die Serie punktet mit tiefen Freundschaften und der Komplexität des Erwachsenwerdens. Der Hype hat mit Ella Bright, Belmont Cameli, Mika Abdalla und Stephen Kalyn neue Weltstars geboren.
„Only Margo“: Elle Fanning in einer tiefgründigen Geschichte über weibliche Solidarität
In „Only Margo“ (Apple TV; alle 8 Folgen bis 20. Mai) spielt Elle Fanning die intelligente Teenagerin Margo aus der Arbeiterklasse. Ihr Englischlehrer sagt, sie habe das Zeug für Harvard, nutzt dies aber für Schmeicheleien und Sex aus. Als sie schwanger wird, haut er ab. Margos Harvard-Pläne sind dahin, doch ihre Kreativität bleibt – inklusive OnlyFans-Account. Die Serie liefert eine tiefgründige Geschichte über Wahlfamilie und weibliche Solidarität, mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen, allen voran Michelle Pfeiffer als Margos knallharte Mutter Shyanne.
„Proud“: Queere polnische Serie mit Grand Prix
Die queere polnische Serie „Proud“ (HBO Max; alle 8 Folgen bis 31. Juli) handelt von Filip, einem jungen drogenaffinen Schwulen, der nach dem Tod seiner Schwester über die Vormundschaft für seine Nichte entscheiden muss. Die Serie von Karol Klementowicz erhielt beim Festival Series Mania in Lille den Grand Prix.
„Tage, die es nicht gab“ Staffel 2: Deutschsprachiges Serienhighlight
In der zweiten Staffel von „Tage, die es nicht gab“ (ARD/ORF; 8 Folgen seit 16. Januar) entdeckt Sarah (Niobe Eckert) in ihrem Zimmer die Leiche ihrer besten Freundin. Viele fanden Staffel eins (2023) stärker, dennoch ist diese Produktion ein deutschsprachiges Serienhighlight.
„The Pitt“ Staffel 2: Krankenhausserie als TV-Highlight 2026
„The Pitt“ (HBO Max; alle 15 Folgen von Staffel 2 bis 16. April) entwickelte sich mit seiner ersten Staffel 2025 zu einer extrem gefeierten Produktion. Staffel zwei gilt vielen als das TV-Highlight 2026. Die Serie zeigt wenig Interesse an hysterischer oder melodramatischer Zuspitzung, sondern beobachtet subtil die Entwicklung der Charaktere und ihr Zusammenfinden.



