Star-Dirigent Thomas Guggeis (32) möchte mit der exklusiven Live-Übertragung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am 8. Juli zeigen, dass die Oper für alle da ist. Die Übertragung läuft auf BILD aus der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Guggeis, geboren in Dachau (Bayern), ist ein Shootingstar der Klassik und hat bereits in allen großen Häusern dirigiert.
Mission: Oper für alle
„Wir möchten mit der Inszenierung und der Übertragung zeigen, dass die Oper für alle da ist. Egal welches Alter, welche Herkunft und welcher soziale Hintergrund“, sagt Guggeis. „Hier kommt jeder rein, zu erschwinglichen Preisen. Wir bieten eine Zauberbox, ein ganz besonderes Happening.“
Ein besonderer Gast ist Comedy-Star Bülent Ceylan (50), der in der Mozart-Oper die Sprechrolle des Bassa Selim übernommen hat. „Er kommentiert das Geschehen und schafft Verbindungen zwischen Mozarts und unserer Zeit“, erklärt Guggeis. „Die Oper setzt sich selbst mit Vorurteilen, Fremdbildern und gesellschaftlichen Rollen auseinander. Unsere Inszenierung greift diese Fragen auf und macht sie für ein heutiges Publikum neu erfahrbar, ohne in Mozarts Werk eingreifen zu müssen.“
Vom Fenster-Dirigenten zum Generalmusikdirektor
Guggeis kam erst mit zehn Jahren zur Klassik – relativ spät, wie er selbst sagt. „Mit 10, eigentlich recht spät, habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Da bin ich langsam in diesen Kosmos eingetaucht. Manchmal stand ich vor der Fensterscheibe und habe zu klassischer Musik dirigiert. Wie wahrscheinlich viele Kinder.“ Aus diesem kindlichen Spiel wurde eine Leidenschaft, die ihn zum Generalmusikdirektor der Frankfurter Oper machte.
Nach dem Abitur in Straubing studierte Guggeis Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater München bei Klassik-Legende Bruno Weil (76) sowie am Mailänder Conservatorio Giuseppe Verdi. Parallel dazu studierte er Quantenfeldtheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität, da ihn auch die Physik begeisterte. „Schließlich habe ich mich für das Dirigieren entschieden. Weil mich das zutiefst Menschliche, das im gemeinsamen Musizieren steckt, fasziniert.“
Der Reiz des Analogen
Heute gehört Guggeis zu den gefragtesten Dirigenten der Welt. Was treibt ihn an? „Der Reiz des Analogen. Wir brauchen keine Verstärker“, sagt er. „Zudem der direkte Kontakt zum Publikum und die sofortige Rückmeldung.“ Klassische Musik habe eine große, verbindende Kraft. „Das wollen wir mit der Übertragung der ‚Entführung‘ möglichst vielen Menschen vermitteln.“



