Das rote Herz: Vom mittelalterlichen Symbol zum globalen Emoji
Das rote Herz: Vom mittelalterlichen Symbol zum globalen Emoji

Das rote Herzsymbol ist allgegenwärtig – besonders zum Valentinstag. Doch mit dem menschlichen Organ hat es kaum etwas gemein. Die Kunst- und Kulturgeschichte zeigt, wie aus einem mittelalterlichen Zeichen ein weltweit verstandenes Emoji wurde.

Bereits im 14. Jahrhundert malte der Renaissancekünstler Giotto di Bondone ein erstaunlich anatomisch korrektes Herz in einem Fresko in Padua. Der Kardiologe Armin Dietz betont, dass Giotto wahrscheinlich eine Autopsie gesehen habe, was damals nicht ungewöhnlich war. Im Gegensatz dazu zeigten französische Minnelieder das Herz noch als Pinienzapfen, beeinflusst von den antiken Lehren Galens.

In den mittelalterlichen Buchmalereien tauchte erstmals die Farbe Rot für Leidenschaft auf. Aus dieser Tradition und unter Rückgriff auf antike Dekore entstand das formschöne rote Herzsymbol. Selbst als anatomisches Wissen verbreiteter war, konnte es diese einfache Form nicht verdrängen – das Herzsymbol war kein Organ mehr, sondern ein Konzept.

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Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder erklärt, dass die Herzsymbolik im Mittelalter nur im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben zu verstehen sei: Rot stand für die Liebe Gottes zu den Menschen. Erst mit der Aufklärung und Säkularisierung im 19. und 20. Jahrhundert verlagerte sich die Bedeutung auf die Liebe zwischen Menschen. Nach dem Zweiten Weltweit kam die sexuelle Komponente hinzu, heute steht es allgemein für Zuneigung.

Diese Entwicklung führt zu Ambivalenzen. Hirschfelder beobachtet, dass Liebe im romantischen Sinn immer noch bedeute, sein Herz auf Dauer zu verschenken, aber die moderne Welt nicht mehr daran glaube. Belege seien Eheverträge, Scheidungsraten und Freundschaft-Plus-Konzepte. Der Glaube an die ewige Liebe existiere heute nur noch in Seifenopern.

Auch als Emoji unterliegt das rote Herz einem Wandel. Erhält man heute ein Herzchen aufs Handy, kann es einfach „vielen Dank“ bedeuten – eine Bedeutung, die vor 20 Jahren noch für Verwirrung gesorgt hätte. Die Interpretation hängt stark vom Kontext ab.

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