Die 74. Folge des Literaturpodcasts „Berlins schönste Seiten“ widmet sich drei Neuerscheinungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gastgeber Felix Müller begrüßt die Autorin Birgit Birnbacher, den Kulturjournalisten Jens Balzer und die Literaturwissenschaftlerin Hatice Açıkgöz. Im Zentrum stehen ihre Bücher, die im Jahr 2026 erschienen sind.
Birgit Birnbacher: „Sie wollen uns erzählen“
Birgit Birnbacher präsentiert ihren Roman „Sie wollen uns erzählen“, der im Hanser Verlag veröffentlicht wurde. Die Geschichte handelt von einer Mutter, ihrem Sohn und der Diagnose ADHS. Birnbacher, bekannt für ihre einfühlsame Prosa, beleuchtet die Herausforderungen und Missverständnisse im Umgang mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. „Es geht nicht nur um die medizinische Seite, sondern um die gesellschaftliche Wahrnehmung und die innerfamiliären Dynamiken“, erläutert die Autorin im Podcast. Der Roman zeigt, wie die Diagnose das Leben der Familie verändert und welche Kämpfe sie austragen muss.
Jens Balzer: „Confusion is next. Die Nullerjahre – das Jahrzehnt des Umbruchs“
Jens Balzer legt mit „Confusion is next. Die Nullerjahre – das Jahrzehnt des Umbruchs“ (Rowohlt) eine Kulturgeschichte vor, die die Jahre 2000 bis 2009 als Phase tiefgreifender Veränderungen analysiert. Balzer argumentiert, dass die Nullerjahre die Grundlage für viele heutige Phänomene legten, von der Digitalisierung bis zur politischen Polarisierung. „Dieses Jahrzehnt war geprägt von einer Orientierungslosigkeit, die sich in Kunst, Musik und Alltag widerspiegelte“, so Balzer. Er zeichnet ein dichtes Bild der Zeit nach 9/11, dem Aufkommen von Social Media und der Finanzkrise.
Hatice Açıkgöz: „Literarisch solidarisch – Perspektiven auf einen neuen Literaturbetrieb“
Hatice Açıkgöz stellt ihr Sachbuch „Literarisch solidarisch – Perspektiven auf einen neuen Literaturbetrieb“ vor, erschienen im Verbrecher Verlag. Sie hinterfragt, wer im Literaturbetrieb sprechen darf und wer nicht, und plädiert für mehr Solidarität und Diversität. „Es geht darum, Machtstrukturen zu erkennen und alternative Modelle zu entwickeln“, erklärt Açıkgöz. Ihr Buch versammelt Perspektiven von Autorinnen und Verlegern, die für einen inklusiveren Literaturbetrieb eintreten.
Podcast-Details und Verfügbarkeit
Die Episode hat eine Länge von 41 Minuten und ist auf Google Podcasts sowie anderen Plattformen abrufbar. Felix Müller moderiert die Runde, die tiefe Einblicke in die aktuellen literarischen Debatten bietet. Die Diskussion zeigt, wie vielfältig die deutsche Literaturszene 2026 ist – von persönlichen Familiengeschichten über zeithistorische Analysen bis hin zu systemkritischen Essays.



