CDU-Arbeitnehmerflügel warnt vor Misstrauen gegen kranke Beschäftigte
CDU-Arbeitnehmerflügel warnt vor Misstrauen bei Krankschreibungen

Der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels der Union, Dennis Radtke, hat vor dem Hintergrund geplanter strengerer Vorschriften für Krankschreibungen vor einem pauschalen Misstrauen gegenüber kranken Menschen gewarnt. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Menschen seien zu faul“, sagte der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im ZDF-„Morgenmagazin“. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte vereinbart, die Möglichkeit telefonischer Krankschreibungen abzuschaffen und die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als gesetzliche Regel einzuführen – bisher galt dies erst ab dem vierten Tag.

Merz verteidigt strengere Regeln

Kanzler Friedrich Merz (CDU) erläuterte, die Neuregelung bedeute nicht zwingend, dass Betroffene am ersten Tag persönlich in die Praxis gehen müssten. Bereits jetzt sei es Ärzten möglich, den Beginn einer Arbeitsunfähigkeit rückzudatieren, allerdings „nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen“. In Betrieben sollen abweichende Regelungen vereinbart werden können. Arbeitgeber können bereits heute eine frühere Vorlage verlangen. Merz begründete die strengeren Regeln mit dem Ziel, den Krankenstand zu senken.

Widerstand aus dem Arbeitnehmerflügel

Radtke äußerte Bedenken, dass die Verschärfung kontraproduktiv wirken könnte. „Menschen, die keine Lust haben, die blau machen, hat es immer gegeben. Wir haben vor allem ein Problem mit den Langzeitkranken.“ Er habe angeregt, die Pläne zu überdenken. In Rückmeldungen erreiche ihn die Sorge, dass Beschäftigte, die heute vielleicht einen Tag fehlten, künftig gleich drei oder fünf Tage ausfallen könnten. Auch der Vize-Vorsitzende der CDA, Christian Bäumler, kritisierte die Pläne scharf. „Die Koalition muss dieses völlig unnötige Thema schnell abräumen“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Die meisten Menschen, mit denen er gesprochen habe, seien entsetzt von der angekündigten Pflicht zur Krankschreibung ab Tag eins; es gebe einen „Riesen-Unmut“ über die Regelung.

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Auswirkungen auf Arztpraxen

Der Koalitionsbeschluss hat weitreichende Konsequenzen für Arztpraxen. Ärzteverbände befürchten eine zusätzliche Belastung durch vermehrte Praxisbesuche und bürokratischen Aufwand. Die genauen Modalitäten der Umsetzung sind noch offen. Die Bundesregierung erhofft sich von der Maßnahme eine Reduzierung des Krankenstandes, der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Kritiker verweisen darauf, dass der Anstieg vor allem auf Langzeiterkrankungen zurückzuführen sei, die von der Regelung nicht betroffen wären.

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