Ein bisschen trostlos wirkt das alles an diesem Dienstagabend in der Zitadelle Spandau: graue Wolken, viele Menschen, die unter Regenschauern hindurchmussten, aber auch zu wenige Menschen, um das Areal der Zitadelle wirklich zu füllen. Morrissey bespielt schon lange nicht mehr die ganz großen Venues und Konzerthallen, und das liegt natürlich auch an seinen verbalen Ausfällen, seinen Koketterien mit den britischen Nationalisten, seiner Brexit-Befürworterei, seiner Muslimfeindlichkeit und mehr.
Ein Abend voller Kontroversen und Melancholie
Dennoch: Wer sich an diesem Abend in die Zitadelle begibt, erlebt einen Künstler, der trotz aller Widrigkeiten eine treue Fangemeinde um sich schart. Morrissey, der ehemalige Frontmann von The Smiths, präsentiert sich in gewohnt charismatischer Manier. Seine Bühnenpräsenz ist ungebrochen, seine Stimme trägt die typische Mischung aus Melancholie und Trotz. Das Publikum, überwiegend ältere Fans, die seine Karriere seit Jahrzehnten verfolgen, nimmt jeden Song mit Begeisterung auf.
The-Smiths-Klassiker und neue Interpretationen
Besonders bejubelt werden die Momente, in denen Morrissey auf die Hits von The Smiths zurückgreift. Songs wie „There Is a Light That Never Goes Out“ oder „How Soon Is Now?“ lassen die Menge aufleben. Doch auch seine Solowerke wie „Everyday Is Like Sunday“ finden Anklang. Der Abend ist eine Reise durch sein Schaffen, die zeigt, dass Morrissey auch nach all den Jahren noch in der Lage ist, sein Publikum zu fesseln.
Kontroverse Ansagen und politische Statements
Wie nicht anders zu erwarten, nutzt Morrissey die Bühne auch für politische Statements. Zwischen den Songs kritisiert er die deutsche Flüchtlingspolitik und äußert sich abfällig über den Islam. Diese Aussagen stoßen im Publikum auf gemischte Reaktionen: Einige applaudieren, andere zeigen sich verunsichert. Es ist ein Abend, der nachhallt – nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der kontroversen Botschaften, die Morrissey verbreitet.
Ein Konzert für Hartgesottene
Am Ende bleibt das Gefühl, einen Abend erlebt zu haben, der weit über ein normales Konzert hinausgeht. Morrissey polarisiert, provoziert und berührt. Die Zitadelle Spandau bot die passende Kulisse für diese Mischung aus Melancholie und Bizarrem. Wer ihn mag, wird diesen Abend nicht vergessen. Wer ihn ablehnt, wird seine Meinung nicht geändert haben. Morrissey bleibt, was er immer war: ein Phänomen.



